Mathematik-Handschriften aus dem alten Byzanz veröffentlicht

6. April 2014, 16:21
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Spätbyzantinische Dokumente erklären unter anderem Dezimalbrüche, 150 Jahre bevor man in Mitteleuropa damit rechnete

Stefan Deschauer, Inhaber der Professur für Didaktik der Mathematik an der TU Dresden, hat eine der wichtigsten spätbyzantinischen Mathematik-Handschriften transkribiert, übersetzt und als kommentierte Ausgabe im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) veröffentlicht.

Die Handschrift stammt aus der Endzeit des Byzantinischen Reiches und ist aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive von großem Wert: Sie repräsentiert mathematisches Wissen aus der Zeit des beginnenden Aufstiegs des Osmanischen Reiches zur Großmacht.

Der unbekannte Autor der Dokumente versuchte, in einer auch für Laien verständlichen Darstellungsweise zu erklären, wie man mit dem damals neuen Zahlensystem, also mit der aus Indien stammenden Zahl Null und den aus Samarkand stammenden Dezimalbrüchen, rechnen kann. In Mitteleuropa wurde das Rechnen mit Dezimalbrüchen erst etwa 150 Jahre später bekannt.

Mit der Ausdehnung des osmanischen Reiches nach Nordwesten gelangten ab dem 15. Jahrhundert viele hochentwickelte wissenschaftliche Verfahren und Erkenntnisse, so auch aus dem Bereich der Mathematik, bis in das zentrale Europa und befruchteten die dort bis dahin zurückgebliebene Wissenschaftskultur. (red, derStandard.at, 6.4.2014)


Stefan Deschauer: „Die große Arithmetik aus dem Codex Vind. phil. gr. 65", Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2014, ISBN13: 978-3-7001-7533-9

  • Stefan Deschauer: "Die große Arithmetik aus dem Codex Vind. phil. gr. 65", Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2014, ca. 90 Euro.
    foto: verlag der öaw

    Stefan Deschauer: "Die große Arithmetik aus dem Codex Vind. phil. gr. 65", Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2014, ca. 90 Euro.

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