Gutachter: Aufsicht schuld an AvW-Pleite

31. März 2014, 11:21
55 Postings

Rund 12.500 Anleger sind von den Konkursen der Auer-Welsbach-Firmen betroffen

Wien/Krumpendorf –  Die Pleite des Kärntner Finanzkonglomerats AvW wäre schon 2001 für die Behörde erkennbar gewesen behauptet ein neues Gutachten. Der vom Gericht bestellte Gutachter Fritz Kleiner belastet damit die ehemalige Bundeswertpapieraufsicht (BWA) schwer, berichtet die Kleine Zeitung vom Montag.

Zentrale Aussage des 300 Seiten schweren Berichts: Schon im Frühjahr 2001 hätte die Vorgänger-Behörde der heutigen FMA (Finanzmarktaufsicht) die Fehler und Betrügereien im AvW-Systems erkennen können. Diese Fehler hätten dann ab 2008 zum Konkurs, zur Haftstrafe für Firmenchef Wolfgang Auer-Welsbach und zu der Rekord-Schadenssumme von rund 900 Millionen Euro geführt.

Aufsicht im Fokus

Der AvW-Konzern des wegen schweren Betrugs im Gefängnis sitzenden Wolfgang Auer-Welsbach brach 2008 zusammen. Rund 12.500 Anleger sind von den Konkursen der beiden Auer-Welsbach-Firmen betroffen. Die Geschädigten haben noch kein Geld gesehen; sie haben 940 Millionen Euro an Forderungen angemeldet. Das Kleiner-Gutachten wurde für einen Musterprozess zweier Anlegeranwälte gegen die Republik Österreich erstellt, berichtete die Kleine Zeitung. Das Verfahren dreht sich um die Frage, ob die Aufsicht über die AvW-Gruppe durch die BWA mangelhaft war.

Ein etwaiges Versagen der Behörde könnte für den Steuerzahler respektive die Republik teuer werden, nämlich dann, wenn den Geschädigten Schadenersatz aus der Amtshaftung zugesprochen wird. Kleiner kommt auf mehr als 300 Seiten zum Schluss, dass die Aufsichtsbehörde ihrer Arbeit nicht ordnungsgemäß nachgekommen ist. Schon 2001 hätten sich bei einer Vorortprüfung der AvW schwere Verdachtsmomente ergeben, etwa die willkürliche Kursfestsetzung der Genussscheine durch den Firmenchef sowie der Verdacht auf Geldwäsche. Passiert sei aber nichts.

Schon seit 1991 war der Zusammenbruch des AvW-Systems nach Meinung Kleiners mangels Kapitaldeckung "vorprogrammiert". Ab 1998/99 habe es dichtere Hinweise gegeben, die die Behörde misstrauisch machen hätten müssen. Die Prüfer seien zwar auf der richtigen Spur gewesen, hätten diese aber unerklärlicherweise nicht weiter verfolgt. (APA/red, derStandard.at, 31.3.2014)

Share if you care.