Die besten Fonds

24. März 2014, 09:53
posten

Das Analysehaus Morningstar zeichnete die besten Fonds und Investmenthäuser aus. Aktive Fondsmanager setzten sich durch, die Branche beklagte die zunehmende Regulierung

Wien - Bei Award-Zeremonien ist die Stimmung gemeinhin locker. Es gibt Lob für Geleistetes, Hoffnung für Kommendes. So war es auch bei der aktuellen Vergabe der Morningstar-Awards, als die Fondsexperten die Gewinner für das Jahr 2014 prämierten. Von tausenden verfügbaren Produkten für Anleger haben die Fondsanalysten von Morningstar die besten prämiert (siehe Grafiken). "Es geht dabei nicht nur um Performance, sondern auch um Konsistenz", sagte Ali Masarwah, Mitglied im europäischen Research Team von Morningstar. Man wolle ja keine Eintagsfliegen prämieren, die vielleicht nur in einem Jahr mit Glück auch Gewinne gemacht haben. So betonte auch Deutschland-Chef Werner Hedrich, die Research-Papiere der gut 100 Analysten "helfen Investoren, bessere Anlageentscheidungen zu treffen".

Bei den diesjährigen Awards, die der Standard als Medienpartner begleitet hat, hat sich gezeigt, dass die ausgezeichneten Fondsmanager beherzigen, was Finanzminister Michael Spindelegger lange gefordert hat: "Entfesselung." Denn besonders aktive Fondsmanager wurden ausgezeichnet, also jene, die sich von ihren Vorgaben lösen, etwa den Aktienindizes, an denen sie gemessen werden. "Es sind aktive Fondsmanager, die auch wirklich einen Mehrwert liefern können", betont Masarwah. Traditionell verlangen aktive Fonds deutlich höhere Gebühren als etwa passive Produkte, diese Mehrkosten müssen die Manager erst verdienen.

Gerade zuletzt ist eine Kennzahl immer populärer geworden, die anzeigt, wie aktiv Fondsmanager eigentlich sind - Active Share. Die Zahl gibt an, wie stark ein Portfolio von einem Index abweicht. Das ist für Josef Obergantschnig von der Security KAG auch bei Anleihenfonds ein logischer Prozess: "Angesichts niedriger Renditen muss man manchmal etwas stärker von der Benchmark weg", sagte Chief Investment Officer Obergantschnig. Denn auch bei niedrigen Renditen gebe es Möglichkeiten, mehr Ertrag herauszuholen, etwa über die Zinskurve.

Anleger vor Fehler bewahren

Doch manchmal gehe es beim Fondsmanagement auch darum, Anleger vor Fehlern zu bewahren. Kurt Eichhorn, Leiter des Rententeams bei Kepler Fonds und Manager des Mischfonds Vorsorge Mix, betonte: "Lehrbuchmäßig wäre das Konzept des Mischfonds ja unnötig, weil die Investoren ihre Anlageentscheidung selbst treffen könnten, um Aktien- und Anleihenmärkte zu identifizieren, die sie kaufen möchten." Doch in der Realität sei es eben anders. "Als Portfoliomanager eines Mischfonds kann man eine langfristige Perspektive einbringen. Viele Anleger haben leider einen sehr kurzfristigen Horizont." Und Eichhorn forderte einen realistischen Ausblick für die Kapitalmärkte ein: "Auch wenn es nicht angenehm ist, aber Investoren müssen ihre Ertragserwartungen herunterschrauben." Die vergangenen zwei Jahrzehnte seien einmalig gewesen, weil die Anleihen- und die Aktienmärkte von stetig fallenden Zinsen profitierten.

Über der Veranstaltung am Mittwoch hingen aber auch die aktuellen Herausforderungen der Branche. Ein Blick auf die Zahlen des Verbands Österreichischer Investmentgesellschaften zeigt, dass die vergangenen drei Jahre Nettomittel aus der Fondsbranche abgeflossen sind, obwohl Anleihen- und gerade Aktienmärkte eigentlich gut performt haben. Einer der anwesenden Vertriebsleiter bezeichnete den heimischen Markt gar als "Brachland".

Für Mathias Bauer, den langjährigen Leiter der Raiffeisen KAG, der Anfang des Monats überraschend seinen Rückzug aus der Geschäftsführung angekündigt hat, krankt es vor allem an einem Vertriebsproblem. Nicht nur dass die Fondsprodukte in stärkerer Konkurrenz zu anderen Bankprodukten stehen - von Spareinlagen bis zu emittierten Anleihen und Aktien. "Die Regulierung macht es immer schwerer, Kapitalmarktprodukte zu verkaufen." Dabei würden die Investmentfonds zu unrecht in den Sog negativer Schlagzeilen, etwa bei geschlossenen Fonds, hineingezogen werden, warnt Bauer. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 21.3.2014)

Mehr zum Thema

"Warten vergeblich auf ein österreichisches Apple"

Wie die besten Fonds gefunden werden:

Die Fondsanalysten von Morningstar versuchen bei den Fund Awards jene Fondsgesellschaften und Produkte zu finden, die innerhalb ihrer Vergleichsgruppe im letzten Jahr und auch längerfristig den größten Mehrwert für ihre Anleger geschaffen haben. Doch wie geht das vonstatten?

Einerseits quantitativ. Dazu wird die Performance der Fonds herangezogen, wobei dem Ertrag im Jahr 2013 das größte Gewicht zukommt. Morningstar berücksichtigt neben der Rendite auch das Risiko eines Fonds. Dabei geht es vor allem darum, ob die erzielte Rendite nur mit einem höheren Risiko erreicht wurde oder ob der Manager auch risikoadjustiert Mehrwert erzielt hat.

In einem zweiten Schritt werden Fonds unter qualitativen Gesichtspunkten ausgeschlossen, beispielsweise wenn diese kürzlich ihren Manager gewechselt haben, keinen Einblick in ihre Portfolios geben oder nicht für Privatinvestoren verfügbar sind.

Die Kategorie-Awards werden an die besten Fonds in 14 wichtigen Kategorien vergeben, nach Regionen und Stilen gegliedert. Mit den Fund House Awards prämiert Morningstar Fondshäuser für ihre Aktien-, Anleihen- und Mischfondspalette. Dabei wird nach der Fondsanzahl zwischen großen Anbietern (mindestens 20 Aktien- oder 15 Anleihenfonds) und Spezialisten (fünf bis 19 Aktienfonds oder drei bis 14 Anleihenfonds) unterschieden. Darüber hinaus verleiht Morningstar den Multi-Asset-Award an Fondsgesellschaften, die ausgezeichnete Leistungen sowohl bei Aktien-, Anleihen- als auch Mischfonds erbracht haben.

  • Artikelbild
    grafik: morningstar, der standard
    Die besten Fonds
  • Artikelbild
    grafik: morningstar, der standard
    Die besten Fondshäuser
  • Artikelbild
    foto: regine hendrich
    Gruppenbild der Preisträger
Share if you care.