Facebooks Arroganzproblem

31. März 2014, 10:40
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Ob Investoren oder langjährige Partner: Beim sozialen Netzwerk schert man sich wenig um Zurufe von Außen

Um sein Geschäft braucht sich Facebook zumindest mittelfristig keine Sorgen machen: Als weltweit führendes soziales Netzwerk sitzt das Unternehmen an einer lukrativen Datenquelle, mit dem Kauf von WhatsApp hat man diese Position weiter abgesichert. Und doch kommen zumindest bei Investoren und Partnern langsam Zweifel an Facebooks Tun auf. So wirft die New York Times in einem aktuellen Blogeintrag die Frage auf, ob Facebook mittlerweile zu groß geworden ist, um sich noch um irgendjemanden zu scheren.

Beispielhaft

Anlass für diese Fragestellung sind zwei aktuelle Vorfälle - ohne direkten Zusammenhang aber beide doch irgendwie symptomatisch für Facebooks steigende Arroganz, wie der Artikel nahelegt. Da wäre einmal die Art und Weise, wie Unternehmensgründer Mark Zuckerberg Milliardendeals in Windeseile und ohne Bedacht auf die eigenen InvestorInnen abwickelt.

Occulus

Während diese beim 19 Milliarden teuren WhatsApp noch still hielten - da hier der strategische Wert einfach abzusehen ist - stieß die unlängst verkündete Übernahme von Occulus VR auf weniger Begeisterung. Angesichts dessen, dass beim auf virtuelle Welten spezialisierten Hardwarehersteller auf Sicht kein einträgliches Geschäftsmodell zu erkennen ist, sank der Aktienkurs von Facebook um 7 Prozent. Zuckerberg interessiert so etwas allerdings recht wenig, wie er in der Vergangenheit schon mehrfach kundgetan hat. Immerhin hat er die nötige Stimmmajorität inne, um alleine die Zukunft des Unternehmens festzulegen.

Partner

Ähnlich verhält sich das Unternehmen aber auch gegenüber langjährigen Partnern, von denen so manche mit aktuellen Änderungen beim sozialen Netzwerk alles andere als zufrieden sind. So hat das Essenslieferservice Eat24 ein langes und öffentliches Trennungsschreiben an Facebook gerichtet. Humorvoll verpackt wird darin recht substantielle Kritik geübt. Der Softwarehersteller haben in den letzten Jahren immer wieder die Algorithmen verändert, um Firmeninhalte weiter nach unten zu reihen - außer natürlich diese zahlen, um ihre Beiträge wieder nach oben zu schieben.

Frustration

Dass Eat24 mit dieser Frustration nicht alleine ist, betont auch Nate Elliott von Forrester: Es gebe immer mehr Unternehmen, die von Facebook desillusioniert sind, und sich anderen Services zuwenden, so der Analyst. Noch stellt dies kein ernsthaftes Problem für Facebook dar, da das Werbegeschäft weiter wächst. Und doch könnte man so mittelfristig genau jene vielen kleinen Unternehmen vertreiben, mit denen das soziale Netzwerk groß geworden ist. (red, derStandard.at, 31.3.2014)

  • Eher selten an der Meinung anderer interessiert: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.
    foto: jonathan ernst / reuters

    Eher selten an der Meinung anderer interessiert: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

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