Mit dem Finger in der Nase

31. März 2014, 10:22
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Warum ein Bub keinen Grund sieht, mit dem Nasebohren aufzuhören

Christian hat kein Benehmen. Der Bub bohrt ständig in der Nase, selbst beim Schlafen. Papa hat davon "die Nase voll". Die Mutter wundert sich: Eine Nase sei "doch keine Schatzkiste", sagt sie. Christian bohrt weiter. Der kleine Nasenbohrer zeigt, wie aufmerksam Kinder ihre Umgebung beobachten, wie selbstverständlich sie (auch verpönte) Verhaltensweisen übernehmen. Denn Christian sieht rund um sich ja lauter Nasenbohrer. Also warum sollte er das dann nicht auch dürfen?

Eine oberflächliche Schnellrecherche zeigt: Der Junge ist im Recht. Wikipedia erwähnt eine Studie, wonach 91 Prozent der befragten Erwachsenen ihre Finger in die Nase stecken. 75 Prozent sind demnach auch überzeugt, dass praktisch niemand seine Finger im Griff hat. Wird die Sache aber zwanghaft, ist nicht mehr vom banalen Nasebohren die Rede, sondern von Rhinotillexomanie. Aber das ist eine andere Geschichte.

Auch im Bilderbuch (für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr) von Marta Slawinska wird allerorts Nase gebohrt. Es ist übrigens das erste Kinderbuch der Illustratorin und Grafikerin. Wenig überraschend setzt sie auf die Kraft der Bilder und weniger auf den Text. Der ist knapp gehalten, erzählt die Handlung schnörkellos. Okay, Nase bohren bleibt trotz schöner Bilder grauslich. Aber hoffentlich schreckt es Sie nicht, wenn Sie selbst einmal dabei erwischt werden! (Peter Mayr, STANDARD, 30.3.2014)

Marta Slawinska
Der kleine Nasenbohrer
Kunstanstifter Verlag 2014
32 Seiten, 17,30 Euro

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