Oberösterreich: Nervosität im Grünen Haus

Blog31. März 2014, 09:30
113 Postings

Das Zaudern des Chefs und der plötzliche schwarze Gasfuß lassen die Nervosität bei Oberösterreichs Grünen steigen

Wer immer genügend Raum für Spekulation schafft, bleibt im Gespräch – Rudi Anschober liebt dieses politische Spiel. Fragen nach seiner beruflichen Zukunft beantwortet Oberösterreichs Grünen-Chef dieser Tage gerne besonders kryptisch: "Es gibt viele spannende Projekte." Optional wären da: der Politpensionist mit endlich ausreichend Zeit für den Biogarten, die – in der Vergangenheit schon erfolgreich erprobte – Rolle als Buchautor und gerngesehener Gast diverser Klimagipfel oder doch noch einmal 2015 als grüner Vorkämpfer in die Wahlschlacht.

Ob sich Anschober nun vollständig ins Grüne zurückzieht, um fern des Linzer Landhauses zwischen Kürbis und Ringelblume den Hund zu kraulen, wollte der 53-Jährige eigentlich erst im Sommer entscheiden. Doch der Koalitionspartner hat den Druck in den letzten Wochen gewaltig erhöht: Landeshauptmann Josef Pühringer geht bei der Landtagswahl 2015 als Spitzenkandidat ins Rennen, parallel dazu hat der mächtige ÖVP-Landeschef seine Nachfolgepräferenzen klargemacht: Klubobmann Thomas Stelzer wurde erster (!) Landesparteiobmann-Stellvertreter.


Rätseln um Rudi Anschobers Rolle im Landtagswahlkampf. (Foto: APA/Fohringer)

Nervosität bei Grünen

Das Zaudern des Chefs und der plötzliche schwarze Gasfuß lassen die Nervosität im Grünen Haus steigen. Es geht um viel, es geht um Schwarz-Grün. Im Herbst 2003 hat Anschober - mit 9,1 Prozent und damit erstmals einem Landesratssitz im Gepäck – grünpolitisches Neuland in Österreich betreten. Heute ist Anschober mit mehr als zehn Jahren längstdienender grüner Landesrat, und die Bilanz fällt, vor allem im Umweltbereich, durchaus erfolgreich aus. Doch der Erfolgsfaktor und das größte Probleme sind bei den oberösterreichischen Grünen eine fixe Einheit: Die Partei ist Rudi Anschober, daran hat auch die Übergabe des Landesparteivorsitzes an Maria Buchmayr im Mai des Vorjahres nichts geändert. Ohne das grüne Urgestein Anschober wird man den grünen Regierungssessel wohl nicht halten können.

Pinke Gefahr auch in Oberösterreich

Vor allem auch, weil Gefahr in Pink droht. Die Neos rüsten sich in Oberösterreich gerade für den Landtagswahlkampf. Und man ist geneigt, vor allem das Duell mit der ÖVP zu sehen. Selbstverständlich wird auch Pühringer pinkes Lehrgeld zahlen, doch so richtig bitter kann es für die in Oberösterreich durchaus als bürgerlich-konservativ einzustufenden Grünen werden. Mit den Neos tritt 2015 eine Partei an, die wohl eine Alternative für viele Grün-Wähler ist - vor allem in den bürgerlich-liberalen Schichten in den Städten. Den Sitz in der Landesregierung zu halten wird dementsprechend schwer.

Fliegt man mit Anschober an der Spitze aus der Landesregierung, wird auch das Image als grüner Wegbereiter und politischer Ökopionier kräftige Kratzer bekommen. Fraglich ist daher, ob Anschober das Wahlrisiko tatsächlich eingeht und sich nicht lieber auf seinen grünen Lorbeeren ausruht. Andererseits: Die neue Landesparteichefin Buchmayr hat es auch gut ein Jahr nach ihrer Kür nicht geschafft, sich an der Spitze zu profilieren. Fraglich ist daher, ob Anschober sich so weit von seinem "Politkind" abnabeln kann, dass er die Partei mit einer weitgehend unbekannten Spitzenkandidatin zur Wahlurne ziehen lässt.

Ob es ein weiteres Gastspiel auf der politischen Bühne geben wird, entscheidet Anschober – trotz steigender Erwartungshaltung in der Partei – aber in gewohnter Manier ganz allein. Früher als erwartet, aber vielleicht beim Hundkraulen zwischen Kürbis und Ringelblumen. (Markus Rohrhofer, derStandard.at, 31.3.2014)

Share if you care.