T-Helferzellen können ihren Charakter ändern

7. April 2014, 12:45
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Experimentell unter Einfluss epigenetischer Faktoren - Studie von Wiener Wissenschaftern

Wien - Wiener Wissenschafter haben herausgefunden, dass bestimmte Immunzellen - ausgereifte CD4-positive Helferzellen - unter dem Einfluss von Enzymen ihren Charakter verändern können. Die Ergebnisse entsprechender Untersuchungen wurden in "Nature Immunology" publiziert.

"Uns hat die Frage interessiert, was die CD4-positiven Helferzellen reguliert und ob diese Zelllinie, wenn die Zellen einmal ausgereift sind, immer fix ist", sagte Wilfried Ellmeier vom Institut für Immunologie der MedUni Wien.

Die Zellen des menschlichen Immunsystems setzen sich aus in ihren Charakteristika und ihren Funktionen sehr unterschiedlichen weißen Blutkörperchen zusammen. Sehr wichtige Gruppen sind dabei beispielsweise die CD4-positiven T-Lymphozyten. Sie vermitteln Immunantworten. Klassisch ist die bei HIV/Aids erworbene Immunschwäche, bei der die HI-Viren genau die CD4-positiven Zellen im Laufe der Erkrankung killen.

Eine andere Gruppe sind beispielsweise die CD8-positiven zytotoxischen Zellen, welche direkt kranke oder infizierte Zellen angreifen und abtöten. Auch sie haben ihre eigenen Charakteristika.

Enzymfunktionen unter der Lupe

Bekannt war bereits, dass Deacetylase-Enzyme (HDAC) in der Entwicklung von Lymphozyten eine wichtige Rolle spielen. Davon gibt es aber 18 verschiedene Enzymvarianten. Langsam will man nun die Funktion der einzelnen Enzymtypen identifizieren.

Im Rahmen der von den Forschungsfonds FWF (Bund) und WWTF (Wien) unterstützten Studie, die in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Medizinische Biochemie der Max F. Perutz-Laboratories (Christian Seiser) in Wien ablief, züchteten die Wissenschafter Mäuse, bei denen man die Produktion der Deacetylase-Enzyme HDAC1 und 2 spezifisch nur in T-Lymphozyten abschalten konnte.

Flexible Helferzellen

Dabei stellte sich ein überraschendes Ergebnis heraus. Ellmeier: "Die ausgereiften CD4-Helferzellen blieben zwar Helferzellen, sie erwarben aber Merkmale von CD8-positiven zytotoxischen Zellen. Das bedeutet, dass es eine gewisse Plastizität dieser Zellen gibt, auch wenn sie bereits voll ausgereift sind."

Deacetylasen verändern den Verpackungszustand der Erbsubstanz, die in jeder Zelle auf Histonkügelchen aufgewickelt ist. Von der Dichte der Verpackung hängen die Ablesbarkeit und somit auch die Aktivierbarkeit von Genen ab. In folgenden Studien wollen die Wissenschafter jetzt klären, ob unter solchen Einflüssen eventuell eine völlige Umwandlung von CD4-positiven Helferzellen in zytotoxische CD8-positive "Killerzellen" möglich ist. (APA/red, derStandard.at, 31.03.2014)

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