"Tatort: Borowski und das Meer": Seltsam - Top oder Flop?

Ansichtssache30. März 2014, 17:51
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"Seltsamer Fall, seltsame Frauen" - selten hat je ein Tatort-Kommissar die entsprechende Folge so präzise beschrieben.

foto: orf/ard/christine schroeder

Axel Milberg als Kommissar Borowski hat es in "Borowski und das Meer" wahrlich mit einem "seltsamen Fall" zu tun. Ein Jurist wird da per Präzisionsgewehr gleich direkt vom Luxusschiff in die Ostsee geschossen.

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foto: orf/ard/christine schroeder

Die Firma, für die er arbeitet(e), heißt Marex, fördert Seltene Erden vom Meeresgrund und wird von Karoline Eichhorn als selten gefühlskalter Unternehmerin geleitet. Ferner spielen ein ersäufter Umweltschützer und Nicolette Krebitz als zauberschöne Witwe eine Rolle.

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In die verschaut sich Borowski auch gleich ein bisschen, was wiederum zu selten dummen Dialogen mit seiner Kollegin Sibel Kekilli alias Sarah Brandt führt. Wieder einmal wird um deren Epilepsie ein riesiges Gewese gemacht. Dabei kann sie nicht nur ihre enervierend ereignislosen Verhöre unbehelligt von jeglichen Anfällen führen, sie schafft es sogar, sich einem fahrenden Auto mit gezückter Waffe in den Weg zu stellen - ohne Zittern!

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foto: orf/ard/christine schroeder

Die Bilder sind teilweise bezaubernd schön in diesem Tatort, etwa in der Unterwassersequenz zu Beginn, die nahtlos in einen brutalen Mord übergeht. Das mag auch an der Regie von Sabine Derflinger liegen. Fast hätte aus dieser Folge etwas werden können. Doch genau wie die Designerinterieurs der Kieler Luxuswohnstätten bleiben die Menschen und Handlungen hier seltsam seelenlos.

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foto: orf/ard/christine schroeder

"Ich kann das nicht mehr", sagt der Jurist einmal, "auf dem Rückflug von Wellington, zehntausend Meter über dem Meer, da ist es mir plötzlich klar geworden." Schade um ein Thema, das mehr als Kitsch und Seltsamkeiten verdient hätte. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 31.3.2014)

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Wenig begeistert von der Folge zeigt sich "Spiegel Online": "Die Fakten zum Thema Ausbeutung der Ozeane natürlich schon, da wurde umfassend recherchiert. Der Rest der Handlung ist leider schlecht geflochtener Seemannsgarn", heißt es. Und: "Der journalistische Input über die Ausbeutung der Ozeane killt hier das Krimi-Rätsel, und zu allem Überfluss gibt es dann auch noch einen sonderbar staksigen Gastauftritt von Frank Schätzing."

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foto: orf/ard/christine schroeder

Euphorischer fällt das Urteil von focus.de aus: "Dieser 'Tatort' hat ein paar Längen. Aber er nimmt eine überraschende Wendung, und das Ende geht unter die Haut. Also: Einschalten."

Positiv resümiert auch welt.de. Gute Kritiken bekommt vor allem Axel Milberg: "Es macht Spaß, diesen neuen Borowski zu erleben, der nicht mehr mit Sieben-Tage-Regenwetter-Gesicht herumläuft, sondern offenbar entschlossen ist, wieder am Leben teilzunehmen."

Wie hat Ihnen diese Folge gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 30.3.2014)

Nachlese
"Tatort "-Regisseurin Derflinger im Chat: "Männerbünde bestimmen"

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