Poroschenko sichert sich die Pole-Position

30. März 2014, 17:13
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Registrierungsfrist am Sonntag abgelaufen - 23 Kandidaten wollen Präsident werden

Kiew/Paris/Moskau - Petro Poroschenko ist Sieger des Wochenendes: Der Schokoladenfabrikant konnte Oppositionsführer Witali Klitschko auf seine Seite ziehen. Klitschko verzichtet zugunsten Poroschenkos auf eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl Ende Mai und konzentriert sich stattdessen auf die Wahl zum Kiewer Bürgermeister, bei der er in der Vergangenheit zweimal scheiterte.

"Die Präsidentenwahlen sollten die Gesellschaft einigen und nicht zu einem weiteren Krieg jeder gegen jeden verkommen", begründete Klitschko seinen Rückzieher. Für Poroschenko sind die Chancen auf einen Wahlsieg damit enorm gestiegen. Schon bisher lag er in Umfragen deutlich vorn. Mit 24,9 Prozent der Stimmen, die laut des Umfrageinstituts Sozis auf ihn entfallen, ist er von einer Mehrheit aber noch weit entfernt.

Auch Timoschenko tritt an

Das Bündnis mit Klitschko kommt sehr gelegen, galt der Box-Weltmeister im Ruhestand doch ebenfalls als aussichtsreicher Kandidat: Mit einem Rating von 8,9 Prozent lag er in der Sonntagsfrage auf Rang zwei, noch vor Ex-Premier Julia Timoschenko (8,2 Prozent), die am Samstag ihre Kandidatur offiziell machte.

Deren Sieg zu verhindern war dem Vernehmen nach ein Grund für das Wahlbündnis. Zudem wäre bei einer Zersplitterung der prowestlichen Kräfte die Aussicht auf einen prorussischen Sieger bei der Präsidentenwahl deutlich gestiegen: "Hätten wir uns nicht zusammengetan, wäre das ein Verrat am Maidan gewesen", kommentierte Poroschenko seine Nominierung durch Klitschkos Partei.

23 Kandidaten

Gespalten präsentiert sich stattdessen die Partei der Regionen, die sich überraschend nicht auf die Nominierung des Bankiers Sergej Tigipko einigen konnte. Parteivize-Chef Michail Tschetschetow warf Tigipko einen Fehlstart im Wahlkampf vor. "Er hat seine Dokumente eingereicht, ohne offizielle Bestätigung der Partei", und damit habe er seine Ambitionen über die des Kollektivs gestellt, kritisierte er.

Auf dem Parteitag wurde stattdessen der kompromisslose Maidan-Gegner und ehemalige Charkower Gouverneur Michail Dobkin nominiert. Insgesamt haben sich bis zum Ende der Registrierungsfrist am Sonntag 23 Kandidaten aufstellen lassen.

Lawrow trifft Kerry in Paris

Über die Zukunft der Ukraine verhandelten am Sonntag auch US-Außenminister John Kerry und sein Kollege Sergej Lawrow. Der russische Chefdiplomat forderte dabei eine föderative Verfassung und einen blockfreien Status für die Ukraine. Diese dürfe nicht der Nato beitreten, sagte er. (André Ballin, DER STANDARD, 31.3.2014)

  • Petro Poroschenko hat beste Chancen auf das Präsidentenamt in Kiew.
    foto: epa/andrey sinitsyn

    Petro Poroschenko hat beste Chancen auf das Präsidentenamt in Kiew.

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