Weltklimabericht warnt vor irreparablen Folgen

31. März 2014, 06:08
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IPCC: Steigende Temperaturen erfordern dringendes Handeln - aber noch sei es nicht zu spät

Yokohama - Die Erderwärmung wird drastische Auswirkungen haben, wenn der Mensch sie nicht stärker bremst als bisher - das zeigt der neue UNO-Klimareport. Steigende Temperaturen erhöhten die Wahrscheinlichkeit "schwerer, tief greifender und irreparabler Folgen", heißt es in dem am Montag im japanischen Yokohama verabschiedeten Bericht des Weltklimarats (IPCC).

Zwar gibt es dem Report zufolge für den Menschen noch Möglichkeiten, sich auf die Risiken infolge des globalen Klimawandels einzustellen. Eine Anpassung funktioniere aber nur, wenn die Erderwärmung deutlich gebremst werde. Sonst werde es schwierig, warnte Chris Field, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Zwei des Weltklimarats. "Selbst ernsthafte, fortgesetzte Investitionen in die Anpassung werden ihre Grenzen haben."

Ein ungebremster CO2-Ausstoß könnte Schäden in Billionenhöhe sowie Kosten in ähnlicher Höhe verursachen, um die Folgen einzudämmen, warnen die UNO-Experten. Unter dem Klimawandel werden demnach besonders arme Bevölkerungsschichten in südlichen Ländern der Erde leiden, heißt es unter Verweis auf Wasserknappheit, Überflutungen und Armut. Der Klimawandel beeinflusse auch die Ernährungssicherheit, wobei die Menschen in ländlichen Gebieten besonders betroffen seien.

Desaströse Folgen

Ein Temperaturanstieg von zwei Grad über die vorindustriellen Werte werde 0,2 bis zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung vernichten, heißt es in dem Bericht. Ein Anstieg um mehr als vier Grad könnte desaströse Folgen haben.

Nach Überzeugung der Experten wird sich im 21. Jahrhundert vor allem für Europa und Asien das Überflutungsrisiko beachtlich erhöhen. Dürren würden gerade in trockenen, bevölkerungsreichen Regionen die Wasserknappheit verstärken. Das wiederum führt - bei steigender Bevölkerungszahl - zu geringeren Erträgen beim Weizen-, Mais- und Reisanbau.

Extreme Wetterphänomene wie Überschwemmungen an Küsten, Dürren und Hitzewellen werden dem Bericht zufolge die Migration von Menschen verstärken. Dies könne zusammen mit Wasser- und Nahrungsmittelknappheit "indirekt das Risiko für Gewaltkonflikte" erhöhen.

Noch ist es nicht zu spät

Noch ist es aus Sicht der Experten nicht zu spät zum Umsteuern: Durch rasche und umfassende Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes könnten die Gefahren wesentlich verringert werden. Viele Maßnahmen seien einfach und billig - etwa der Kampf gegen Wasserverschwendung und der Schutz der Küsten. Zudem sollten Menschen davon abgehalten werden, sich in Gegenden niederzulassen, die von extremen Wetterphänomen heimgesucht werden können.

Seit Dienstag brüteten die Wissenschafter und Regierungsvertreter in Yokohama südlich von Tokio über den Bericht. Dabei handelt es sich um den zweiten von drei Teilen des nunmehr fünften Sachstandberichts des Weltklimarates.

Im ersten, im September veröffentlichten Teil ging es um die Ursachen und wissenschaftlichen Grundlagen. Der zentrale Befund lautete, dass die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung klarer als je zuvor festgestellt werden konnte. In Teil 2 geht es um die Konsequenzen. In Teil 3, der Mitte April in Berlin veröffentlicht werden soll, sollen mögliche Lösungen aufgezeigt werden.

Der letzte IPCC-Sachstandbericht war 2007 in Paris veröffentlicht worden und hatte weltweit das Bewusstsein für die Gefahr durch den Klimawandel geschärft. Die Bemühungen um ein globales Klimaabkommen sind dennoch kaum vorangekommen. (APA/red, derStandard.at, 30.03.2014)

  • Der zweite Teil des Weltklimaberichts soll deutlich machen, wie die Menschheit mit dem Klimawandel umgehen kann
    foto: dapd/philip

    Der zweite Teil des Weltklimaberichts soll deutlich machen, wie die Menschheit mit dem Klimawandel umgehen kann

  • Phänomene wie Überschwemmungen (im Bild in Myanmayr 2008) werden zunehmen, wenn nicht entgegengesteuert wird, warnen die Vereinten Nationen im Klimareport.
    foto: ap photo/file

    Phänomene wie Überschwemmungen (im Bild in Myanmayr 2008) werden zunehmen, wenn nicht entgegengesteuert wird, warnen die Vereinten Nationen im Klimareport.

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