Ausländische Investoren setzten wieder auf Italien

30. März 2014, 17:30
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Banken, Energiekonzerne, Modegeschäfte: Amerikaner, Russen und Chinesen auf Einkaufstour

Mailand - "Niedrige Preise, eine neue politische Stabilität und ein reiches Land." So sieht Francesco Garzarelli, Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs, den Belpaese. Tatsächlich rückten in den vergangenen Wochen Finanzinvestoren aus den USA, Russland und China in Italien zur Einkaufstour aus. Der US-Finanzinvestor Blackrock etwa stieg im März zum größten Aktionär bei der Bank-Austria-Mutter Unicredit auf und avancierte zeitgleich zweitgrößten Aktionär bei Banca Intesa Sanpaolo und Monte dei Paschi.

Rosneft aus Russland hat ebenfalls im März sieben Prozent des Kapitals der Mailänder Kultfirma Pirelli übernommen und avanciert damit zu Nummer eins beim Reifenkonzerns. Die chinesische Nationalbank erwarb je zwei Prozent an dem Erdölmulti Eni und an dem halbstaatlichen Stromversorger Enel. Dies gab die Börsenaufsicht in der vergangenen Woche bekannt. Last, but not least hat die chinesische Modefirma Shenzen Marisfrolg Fashion die Mailänder Modekult-Firma Krizia übernommen. Die Fluggesellschaft Etihad steht kurz vor dem Einstieg bei Alitalia. US-Investoren haben inzwischen geschätzt 90 Milliarden Euro auf dem Mailänder Aktienmarkt investiert.

Italien strahlt neuerdings einen Anreiz auf ausländische Investoren aus. Der "Renzi-Effekt", die angekündigten Reformen des seit wenigen Wochen amtierenden Premiers Matteo Renzi, werden goutiert: Der "Spread", also das Zinsgefälle zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen, sank auf ein Minimum seit 2009.

Doch Vorsicht ist geboten. Wie eine Analyse von Credit Suisse zeigt, hat sich das makroökonomische Umfeld zwar verbessert, ist aber noch keineswegs saniert. Für heuer wird 0,5 bis 0,7 Prozent Wachstum prognostiziert. Die Gesamtverschuldung ist mit 133 Prozent der Wirtschaftsleistung immer noch extrem hoch.

Privatisierungen im Herbst

Dem steht ein doppelt so hohes privates Sparvermögen gegenüber. Der Spruch "Der Staat ist arm, doch die Einwohner sind reich", gilt noch immer. Auch wenn dieser Reichtum in den vergangenen drei Krisenjahren abgenommen hat. Die Arbeitslosenquote liegt bei mehr als zwölf Prozent. Nationalökonom Tito Boeri warnt zudem, dass zwar das Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung zugenommen habe, die Investoren aber ebenso schnell, wie sie gekommen sind, wieder weg sein könnten.

Einen Investitionsschub erhofft Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan von einer Privatisierungswelle im Herbst. Padoan erwartet Erlöse von bis zu 15 Milliarden Euro. Verkaufskandidaten sind Poste Italiane, der Rüstungskonzern Finmeccanica sowie die Flug-Kontrollgesellschaft Enav. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 31.3.2014)

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