Baumax: Staat verhandelt mit sich selbst

28. März 2014, 18:05
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Die Republik wäre von einer Baumax-Pleite selbst betroffen. Sie hat dem Konzern eine Haftung über 72 Millionen ausgestellt

Wien - Das Verhältnis zwischen der Republik und der Sammlung Essl ist ein delikates. Im Tauziehen um den Erwerb der rund 7000 Kunstwerke geht es keineswegs nur um eine kulturelles Anliegen, und um die Rettung von tausenden Arbeitsplätzen. Es geht auch um einen Schaden, der dem Staat droht. Der Bund haftet nämlich für Kredite an Baumax. Wird die Baumarktkette insolvent, droht somit auch dem Steuerzahler ein Ausfall - die Rede ist von 72 Millionen Euro.

Die Haftungen sind Ausfluss eines 2009 beschlossenen Gesetzes, das der Liquiditätssicherung von Unternehmen diente. Die Politik reagierte damit zur Hochzeit der Finanzkrise auf die immer enger werdende Kreditvergabe. Was sich recht lange als wirkungsvolle und günstige Maßnahme darstellen sollte, wird nun zusehends teuer für die Republik. Bereits bei der Alpine-Pleite - der Baukonzern hatte ebenfalls die Hilfestellung in Anspruch genommen - zeigte sich, dass die Haftungen keineswegs risikolos sind. Zudem gibt es mit Bene und Holland Blumen Mark zumindest zwei weitere Sanierungsfälle, die das öffentliche Auffangnetz strapazieren könnten.

Bei Baumax kommt hinzu, dass die Rolle des Staates durchaus spielentscheidend sein könnte. Das Unternehmen mit allein in Österreich 4000 Mitarbeitern sieht im Verkauf der Sammlung nicht nur eine Quelle für dringend benötigtes Kapital, sondern auch für einen Verzicht der Banken. Der Beitrag der Familie Essl gilt nämlich als Voraussetzung für Schuldennachlass und weitere Finanzierung. Die Rede ist in Bankkreisen von 200 Millionen Euro, die die rund 35 Geldgeber in den Rauchfang schreiben sollen. Eine gewisse Bereitschaft des Kreditapparats zu diesem Schritt scheint es zu geben. Bisher, so erzählen Banker, habe die Familie nichts von weiteren Zuschüssen wissen wollen, zumal bereits 50 Millionen in die Kette gepumpt wurden.

Restrukturierung kostet Geld

Seit sich herausgestellt hat, dass die Sammlung im Falle einer Insolvenz der Masse anheimfallen würde und somit perdu wäre, habe der Essl-Clan eine Kehrtwende vollzogen. Unterstellt wird insbesondere Firmengründer Karlheinz Essl, durch einen Deal mit der Republik zumindest nach außen hin weiter als Galionsfigur von Museum und Bildern auftreten zu können. Die Kreditinstitute kommt das Engagement auf jeden Fall teuer zu stehen. Von ihrem Obligo im Ausmaß von einer Milliarde Euro sei rund die Hälfte unbesichert, ist zu hören. Pfandrechte gibt es auf alles, was nicht niet- und nagelfest ist: Warenlager, Immobilien, Markenrechte, Zentrallager, Beteiligungen, Forderungen.

Ob mit oder ohne Insolvenz: Baumax wird sich von fast allen Aktivitäten in Osteuropa mit fast 5000 Mitarbeitern trennen müssen. Das gilt für die Türkei, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Ungarn und Slowenien. Wenn überhaupt, sollen die angeblich profitablen Märkte in Tschechien und der Slowakei erhalten bleiben. Das Problem: Bevor die Restrukturierung wirkt, kostet sie erst einmal Geld. Viel Geld, die Zahl von 200 Millionen Euro wird genannt. Einen Investor sucht der Konzern nach eigenen Angaben derzeit nicht. Die Frage ist ohnehin, ob es Interesse gäbe.

Somit wird auch für die noch nicht vorliegende Bilanz für 2013 ein tiefrotes Ergebnis erwartet. 2011 machte der Verlust 47 Millionen Euro aus, der 2012 auf 126 Millionen kletterte.(Andreas Schnauder, Renate Graber, DER STANDARD, 29.3.2014)

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Kommentar der Anderen: Ein Coup als Hohn und Demütigung

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  • "Alle Wege führen zu Baumax", lautet der Werbespruch von Baumax in Rumänien. Mittlerweile sind viele potenzielle Kunden vom rechten Weg abgekommen.
    foto: standard/newald

    "Alle Wege führen zu Baumax", lautet der Werbespruch von Baumax in Rumänien. Mittlerweile sind viele potenzielle Kunden vom rechten Weg abgekommen.

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