Ein echter Coup

28. März 2014, 17:51
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Griss pochte auf "freie Hände" bei Nachforschungen, wirkte auf den Vize wie eine noble Bundespräsidentin

Es waren keine drei Interviewminuten mit Irmgard Griss verstrichen - und Kanzler Faymann drängte es, sich mit seinem Vize verbinden zu lassen. Es galt, zur Wahl der Hypo-Kommissions-Chefin zu gratulieren. Spindelegger erschrak zunächst, als es klingelte. Dann aber packte ihn Genugtuung, wobei sich weitere Glücksempfindungen hinzugesellten.

Er spürte förmlich, die Kräfte der Opposition schwinden und die seinen anschwellen. Zudem überkam ihn die Vision, viele der 100.000, die sich petitionsartig für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen hatten, würden ihren Protest zerknirscht zurückziehen.

Griss pochte auf "freie Hände" bei Nachforschungen, wirkte auf den Vize wie eine noble Bundespräsidentin. Ein Eindruck, den Faymann telefonisch teilte, während Griss, nach Kanzlermeinung, zum schönsten Punkt kam: "Wenn eine Kommission eingesetzt wird, die aus unabhängigen Persönlichkeiten zusammengesetzt ist, besteht die Gewähr, dass wir zu einem Ergebnis kommen, das unbeeinflusst vom Auftraggeber ist. Das muss man Leuten zutrauen, die einen guten Namen haben und ihn nicht verlieren wollen."

Na bitte! Skeptiker würde Griss einen Vertrauensvorschuss geben, und sie würde der Regierung Zeit verschaffen. Griss' Drohung, die Arbeit niederzulegen, falls "gemauert oder behindert wird", und die Hypo-Verstaatlichung zu untersuchen, bereitete der Politspitze keine Sorgen. "Mauern" und "Verstaatlichung" waren ja elastische Begriffe, über deren Definition man sich beim Heurigen schon einigen würde. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 29./30.3.2014)

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