"High Performance": Spion mit Gewissensbissen

28. März 2014, 17:33
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Die Grazer Filmemacherin Johanna Moder erzählt in ihrem stimmigen Filmdebüt "High Performance" eine Komödie um zwei Brüder, die nicht nur ihr Jobprofil unterscheidet

Wien - Wenn die Familie zum öffentlichen Empfang lädt, muss Daniel (Marcel Mohab) durch den Hintereingang ins Hotel schleichen. Ihn als schwarzes Schaf zu bezeichnen wäre zwar zu hoch gegriffen; doch in seinen Freizeitjäckchen und mit dem läppischen Sportrucksack am Rücken wirkt er eher wie ein Fahrradbote als ein geladener Gast. Daniel arbeitet als Teil einer Performancetruppe, für die es bereits als kleiner Erfolg gilt, im Brut auftreten zu dürfen - in dessen Foyer, genauer gesagt. Familienintern steht dennoch Bruder Rudi (Manuel Rubey) im Rampenlicht, ein erfolgreicher Unternehmer mit Hang zum Luxus.

High Performance, dem Langfilmdebüt der Grazer Filmakademieabsolventin Johanna Moder, dient der scharfe Kontrast als Motor der Handlung. Der Humor der Komödie verdankt sich jedoch weniger übertriebener Typenkomik als der gelungenen Durchdringung unterschiedlicher Milieus, die im städtischen Raum nah beieinanderliegen: die Geschäftswelt mit ihren hohlen Ritualen von Professionalität; die Künstlerbiotope, in denen der kalte Rauch basisdemokratischer Studentenverbindungen im Raum steht; eine Hippiekommune, die selbstgenügsam in Weltverbesserungsplattitüden schwelgt.

Sie bilden das Fundament eines kleinen, nur vordergründig romantischen Komplotts. Rudi unterbreitet seinem schusseligen Bruder ein Angebot, dessen Doppelbödigkeit dieser nicht gleich durchschaut. Er soll Nora (Katharina Pizzera) coachen, eine talentierte Angestellte aus dessen IT-Konzern, mit dem Ziel, mehr über deren persönliche Interessen zu erfahren. Ein Plan, der sich rasch verselbstständigt, Unaufrichtigkeiten bei gleichzeitig wachsender Intimität generiert und damit zu Gewissensbissen veranlasst.

Auf dem Feld der heimischen Kinokomödie, die es - bei wechselhaftem Niveau - gerne ein wenig bodenständig hat, wirkt High Performance mit seiner Ausrichtung auf urbanes Publikum auf den ersten Blick etwas kalkuliert. Doch gerade der maßvolle, ausgeglichene Ton von Moder, die auch das Drehbuch geschrieben hat, fällt angenehm auf. Das Regelwerk dieser Komödie und gewisse Konventionen in der Umsetzung von Pointen sind stimmig in wiedererkennbare Arbeits- und Freizeitwelten eingepasst. Auch kommen hier nicht alle Fäden so zusammen, wie man es erwarten muss.

Lebensart statt Lifestyle

In dieser narrativen Gelassenheit mag man auch den Blick einer neuen Generation erkennen, die in lokalen Befindlichkeiten universelle Züge erkennt. High Performance, auf dem Max-Ophüls-Festival mit dem Publikumspreis prämiert, zelebriert keinen Lifestyle, sondern betont Eigenheit: Der bis dato nur als Kabarettist bekannte Marcel Mohab, eine Entdeckung des Films, erinnert zwar an romantische Tollpatsche wie Ben Stiller, bleibt aber dennoch ein sehr österreichischer Ausreden- und Ausfluchtsheld. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 29./30.3.2014)

  • Ungleiche Brüder, die plötzlich Notiz voneinander nehmen: Manuel Rubey (li.) und Marcel Mohab in "High Performance".
    foto: thimfilm

    Ungleiche Brüder, die plötzlich Notiz voneinander nehmen: Manuel Rubey (li.) und Marcel Mohab in "High Performance".

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