Was das Schicksal schöner is wie ein Aff, is ein Luxus

Kolumne28. März 2014, 17:39
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Von Julya Rabinowich

Ostern noch nicht da. Die Wiederauferstehung muss leider noch warten. Zu Neujahr hat man sich ja sogar noch Hoffnungen gemacht, es würde alles ganz anders und viel besser werden. Blei gegossen haben viele und in den erstarrten Ergüssen, die jedenfalls nur krampfartig Gekrümmtes abbildeten, ein freundliches Schicksal zu entdecken gehofft. Diese Hoffnungen bezogen sich gleichermaßen auf das privat zu Vollziehende wie auf die Belange der größeren Kreise, erst der Innen- und dann auch noch jene der Weltpolitik.

Glück und Gesundheit haben sich viele um den 31. 1. herum gewünscht und der übrigen Welt mindestens dieselbe Gesundheit und noch mehr Glück. Manche zündeten zu diesen frommen Wünschen Sprühkerzen, manche tanzten, manche weinten, andere wieder trugen Narrenkäppchen.

Die Sprühkerzen kann man stecken lassen, nur das Narrenhütchen hat immer noch Saison und wird wohl bis in den Sommer überdauern: Es ist ein trauriger Reigen, der sich da zügig in Bewegung setzt. Die sieben Hungerjahre beginnen mit einer Bad Bank. Die Hypo verdirbt sowieso den Magen auf Jahre hinaus. Der verdorbene Magen lässt sich etwa daran ablesen, dass die FPÖ als flirrende Fata Morgana die Wanderer in die Irre lockt, bei sämtlichen Umfragen führt, als wäre sie an der Hypo nie angestreift. Das verleiht Mölzer geradezu Flügel. Kotflügel genau genommen. Andere Politiker fühlen sich wieder von Forderungen nach einem U-Ausschuss gepflanzt. Wir wollen nicht näher ergründen, wie sich die Unterzeichner der Petition so fühlen.

Timoschenko verlangt in einem Telefongespräch die Erschießung von Putin, dem Inglourious Basterd. Die Russen schneiden das günstigerweise abgehörte Telefonat besonders elegant zusammen, sodass es vermutlich noch heftiger ausfällt als schon im Original dargebracht, und stellen es online.

Niemand schreit auf, dass Russland offenbar ebenfalls Telefonate abhört, weil alle damit beschäftigt sind, Obama als einzigen Chefschnüffler der Welt darzustellen. Russland macht dezent aufs Atomwaffenarsenal aufmerksam. Obama tut, als wäre es ihm egal. Putin nimmt seinen Hund zu Treffen mit Merkel mit, die unter einer Hundephobie leidet. Merkel kredenzt kühle Sanktionen. Es bricht der Frühling an, aber er riecht nach Kaltem Krieg.

In Wien soll die Polizei die staunenden Gäste eines Kaffeehauses mit gezückten Tasern beglückt haben, quasi als Fortführung bzw. Erweiterung der Kaffeehaustradition des Grantelns mit anderen Mitteln. Das eröffnet ungeahnte neue Perspektiven der Kundenbindung. Aber immerhin werden die Schanigärten nun als Ganzjahresprojekt angedacht. Heizschwammerl statt Atomschwammerl klingt doch als Slogan ganz gut. (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 29./30.3.2014)

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