"Fiesta Mexicana" könnte für Telekom nach ÖIAG-AR näher rücken

28. März 2014, 15:56
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Aufsicht der Staatsholding könnte grünes Licht für Arbeit an Syndikatsvertrag zwischen ÖIAG und America Movil geben

Eine Aufsichtsratssitzung der Staatsholding ÖIAG, bei der es in erster Linie um ein Mandat für ÖIAG-Chef Rudolf Kemler geht, um mit dem weiteren Telekom-Austria-Großaktionär America Movil einen Syndikatsvertragt zu zimmern, hat am Freitagnachmittag vorerst noch angedauert. Hat Kemler das Mandat, könnte diese "Art Ehevertrag" in den kommenden "zwei, drei Wochen" fertig werden, hieß es zuletzt.

Die Sperrminorität soll Österreich erhalten bleiben, auch wenn die Mexikaner ihre Anteile an der Telekom Austria Group erhöhen.

Grünes Licht

Im Syndikatsvertrag, der bei grünem Licht heute vom Aufsichtsrat aufgesetzt werden soll - der nach dem rasch möglichen Signing natürlich auch noch wettbewerbsrechtlich bestehen muss - will der ÖIAG-Chef einerseits unbedingt die Garantie erreichen, dass der Hauptsitz der Telekom zumindest für die kommenden zehn Jahre in Österreich bleibt. Auch der Sitz des Vorsitzenden des Aufsichtsrats soll "längerfristig" für einen Österreicher reserviert bleiben.

Kommt es nun auf Basis des heute abzunickenden "Term Sheets" tatsächlich zum Syndikatsvertrag (Shareholder-Agreement) - den hat Kemler zuletzt ja mit einem "Ehevertrag" verglichen - will die America Movil ihren Anteil an der Telekom auf mehr als 30 Prozent schrauben. Derzeit hält die ÖIAG 28,42 Prozent an der Telekom Austria AG und die America Movil des zweitreichsten Menschen der Welt nach Bill Gates, Carlos Slim, 26,84 Prozent. Gemeinsam hat man also die Mehrheit. Die restlichen 44,74 Prozent sind Streubesitz.

Sperrminorität

Über 30 Prozent wollen die Lateinamerikaner kommen, um die industrielle Führerschaft in der Telekom darstellen zu können, wie es Kemler zuletzt formulierte - und um sie in der America Movil Gruppe zu konsolidieren. Mit Blick auf eine Wachstumsperspektive ist dabei eine Kapitalerhöhung sehr wahrscheinlich. Kommt es zu dieser, so werde Republik "jedenfalls" so mitziehen, dass ihr über die ÖIAG 25 Prozent plus einer Aktie bleibt - also die Sperrminorität. Schließlich haben ÖIAG und Republik für die Telekom nicht unbedingt "ganz so tiefe Taschen" wie sie Slim als einer der reichsten Menschen auf der Welt hat.

Der Rahmen einer möglichen Kapitalerhöhung auf Basis des noch zu erstellenden Syndikatsvertrages - die laut Kemler noch nicht vereinbart ist - hängt von der Marktkapitalisierung ab. Derzeit läge die Höchstgrenze bei etwas mehr als 1,5 Mrd. Euro, die Marktkapitalisierung belief sich am Freitag auf 3,19 Mrd. Euro.

Vom Regulativ her muss der Syndikatsvertrag ein öffentliches Übernahmeangebot zeitigen. Dem Vernehmen nach dürfte so ein Angebot nicht nennenswert über den Sechs-Monatsschnitt der Papiere liegen. Die Finanzierung des Übernahmeangebots ist noch Teil der Verhandlungen.

Ob sich alles bis zur turnusmäßigen Hauptversammlung im Juni ausgeht, ist noch unklar. Möglicherweise wird eine Sonder-HV einberufen werden müssen.

Die Telekom Austria ist für den Branchengiganten America Movil interessant

Karim Taga von der Unternehmensberatung Arthur D'Little hatte am Freitag im Ö1-Mittagsjournal gemeint, die Diskussion zwischen Slim und der Telekom Austria laufe schon seit mehr als 20 Monaten, daher sei es wichtig, nun Klarheit zu schaffen. Er denke nicht, dass die Telekom ohne Partner überleben könne. Es sei besser der "Treiber" zu sein und sich einen Partner auszusuchen, als übernommen zu werden. Die Telekom Austria sei für den Branchengiganten America Movil interessant, da sie über ihr Engagement in acht südosteuropäischen Staaten Wachstumspotenzial biete. Auch eine weitere geografische Expansion sei denkbar, so der Fachmann. "Denkbar" sei es, dass die heimische Forderung, den Aufsichtsratschefposten so lange als möglich und das Headquater zumindest über zehn Jahre österreichisch zu besetzen.

Für Kunden, so Taga, sei die Allianz - zumindest in Sachen möglicher Preissteigerungen - vernachlässigungswürdig. Preissteigerungen seien marktabhängig, hingen nicht nur an einem neuen Eigentümer einer Firma. Wettbewerb, der in Europa stark sei, weil "Russen, Chinesen und Amerikaner" versuchen einzukaufen, sei für den Kunden immer gut, sagte Taga im Radio. (APA, 28.3.2014)

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