Hier schaut's aus wie in der Konditorei, oder?

31. März 2014, 05:30
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Der Bad Ischler Konditor Josef Zauner wohnt in einem sanierten Fünfzigerjahrehaus am Stadtrand

Der Bad Ischler Konditor Josef Zauner wohnt in einem sanierten Fünfzigerjahrehaus am Stadtrand. Warum er in seiner Küche keine Zaunerstollen bäckt, dafür aber jeden Morgen Rehe füttert, erzählte er Wojciech Czaja.

"Bad Ischl ist ja nicht meine Heimat. Ursprünglich stamme ich nämlich aus Tamsweg, aus einer riesigen Bauernfamilie mit 14 Geschwistern! Mit 18 Jahren bin ich dann nach Ischl gekommen, um bei Zauner die Zuckerbäckerlehre zu machen, bin geblieben, weil ich den Betrieb zu lieben begonnen habe, und wurde schließlich im Alter von 30 Jahren adoptiert. Seit damals bin ich ein echter Zauner. Bad Ischl ist eine tolle Stadt zum Wohnen. Es heißt immer: Kurstadt, k. u. k. und Tausende von Touristenbussen. Doch man würde sich wundern, wie viele junge Leute es hier gibt und was sich hier alles abspielt! Unter dem leicht verstaubten Kaiser-Image befindet sich ein dynamisches Städtchen.

"Das Haus ist ein bissl italienisch und vielleicht sogar ein bissl kitschig." Zuckerbäckermeister Josef Zauner in seinem Stucco-lustro-Wohnreich. (Foto: Hermann Seidl / Tirez Images; Bildansicht durch Klick vergrößern)

Im Firmenhaus in der Pfarrgasse gibt es, direkt über dem Geschäft, eine kleine Stadtwohnung. Aber da könnte ich mir niemals vorstellen zu wohnen. Einerseits brauche ich zum Wohnen absolute Stille, es muss mucksmäuschenstill sein, andererseits brauche ich eine gewisse räumliche Distanz. Bei aller Liebe zum Job - aber über der Konditorei zu wohnen und rund um die Uhr verfügbar zu sein? Und so wohne ich mit meiner Frau Susanne und meinem 20-jährigen Sohn Philipp am Stadtrand.

Das Haus wurde in den Fünfzigerjahren von meinen Adoptiveltern gebaut. Immer wieder habe ich hier gewohnt, aber niemals so richtig. 2002 habe ich dann beschlossen, mich hier fix niederzulassen und das Haus zu sanieren. Wir haben das Dach neu gedeckt, alle Fenster ausgewechselt und das ganze Haus gedämmt. Das ist eine spezielle Korkdämmung, denn ich hasse dieses blöde Styropor! Innen haben wir die Raumaufteilung etwas verändert und das Haus komplett neu installieren lassen. Die Sanierung war echt sehr aufwändig.

Wir haben acht Quadratmeter Photovoltaik im Garten, die uns mit Strom versorgen, aber ansonsten heizen wir mit Öl. Leider! Wir verbrauchen rund 4000 Liter Öl pro Jahr. Das ist schlimm. Ich warte darauf, bis endlich eine Technologie auf den Markt kommt, die effizienter und leistbarer ist. Sobald das der Fall ist, wollen wir das gesamte Haus umrüsten. Was die Gestaltung betrifft, so bin ich der Meinung, dass ein Haus innen und außen dieselbe Philosophie vermitteln muss. Na ja, von außen betrachtet wirkt das Haus ein bissl italienisch und vielleicht sogar ein bissl kitschig. Das spiegelt sich auch in den Innenräumen wider. Ich höre immer wieder, dass es bei mir angeblich fast genauso ausschaut wie in der Konditorei.

An den Wänden ist rötlicher und bräunlicher Stucco lustro. Ich würde das als gemütliche Großzügigkeit bezeichnen. Der Einrichtungsstil ist eine Mischung aus alten, antiken Möbeln, die ich geerbt habe, und ein paar modernen Akzenten. Vor allem die Bilder sind modern. Mein Lieblingsbild sind die Aquarell-Flamingos von meinem Neffen Michael Ferner - ein begnadeter Künstler!

Ich brauche kein Haus auf Mallorca. Ich bin glücklich hier, und zwar mit allem, so wie es ist. Am ehesten würde ich sagen, dass uns das Haus mit 300 Quadratmetern ein bissl zu groß ist, aber so ist es nun mal. Das Schönste hier ist die Küche. Aber nicht wegen des Backens, denn das ist und bleibt Jobsache, sondern wegen des Ausblicks. Wir blicken auf den Dachstein, auf den Siriuskogel und auf den Ischler Hausberg Katrin.

Das Haus steht direkt am Waldesrand, und nachdem der Zaun vom Zauner Löcher aufweist, passiert es regelmäßig, dass am Morgen eine Rehfamilie auf unserer Terrasse steht und darauf wartet, gefüttert zu werden. Fünf, sechs, manchmal sieben Rehe vorm Küchenfenster! Das ist Ruhe und Wohlfühlen für die Seele. Das ist das Schönste, was man sich vorstellen kann." (DER STANDARD, 29.3.2014)

Josef Zauner, geboren 1948 als Josef Ferner in Tamsweg, absolvierte die Bäckerlehre in Salzburg, die Zuckerbäckerlehre in Bad Ischl sowie die Meisterschule im deutschen Braunschweig. 1966 begann er, in der 1821 gegründeten Konditorei Zauner als Lehrling zu arbeiten. Heute ist er Geschäftsführer. Von 1978 bis 1985 war er TV-Konditor in der ORF-Sendung Häferlgucker. Seit 1988 ist er Gastprofessor am Japan Cake and Confiserie College in Tokio. Zauner betreibt zwei Cafés in Bad Ischl und beschäftigt 110 Mitarbeiter, die pro Jahr u. a. mehr als 120.000 Zaunerstollen händisch herstellen.

Link

zauner.at

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