Schon wieder ein tragischer Einzelfall

Blog29. März 2014, 00:01
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Andreas Mölzer hat sich "absichtlich brutal politisch nicht korrekt" ausgedrückt

Bei einer Veranstaltung in Wien vor einigen Wochen sagte der FPÖ-Europaabgeordnete Andreas Mölzer, die EU sei eine Diktatur, und im Vergleich erscheine das Dritte Reich wahrscheinlich formlos und liberal. Außerdem, so Mölzer, müsse sich die EU fragen, ob sie nicht "ein Negerkonglomerat" sei, und das sage er "absichtlich brutal politisch nicht korrekt". Der Tenor im Forum lässt sich kurz zusammenfassen:


"Semantische Fehlleistung"

Das Zurückrudern Mölzers und der FPÖ wurde zur Farce. Erst konnte sich Mölzer nicht erinnern, was er gesagt hatte. Wenn überhaupt, dann aber "nekrophil", ein Wort, das, wie Parteichef Strache bescheinigte, von Mölzer häufig verwendet wird. Als Mölzer mit dem Tonbandmitschnitt konfrontiert wird, entschuldigt er sich für seine "semantische Fehlleistung". Das Wort "Neger" sei aber ein "normales deutsches Wort ohne Wertung", das er auch weiterhin verwenden werde. Er will sich auch nur für diese Passage entschuldigen, den NS-Vergleich findet Mölzer "quantitativ" passend, weil es in der EU mehr Regeln und Vorschriften gebe als unter der Nazi-Diktatur, qualitativ sei es damals aber schlimmer gewesen.


Tatsächlich hat sich Mölzer auch als Schriftsteller versucht. Das Werk kann, je nach Kundschaft, in den Kategorien Glaubenskanon oder Trash-Fantasy eingeordnet werden, gibt aber eine Ahnung davon, wie Mölzer die Welt sieht. Eine literarische Vergewaltigung aus dem Œu­v­re mag als Parabel für den tragischen Einzelfall dieser Woche gelten: Der "Graue", arischer Protagonist des gleichnamigen Epos, vergeht sich an einer "Bronzefarbenen" und graust sich dann vor sich selbst.


(Florian Stambula, derStandard.at, 28.3.2014)
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