Europa schickt einen Umwelt-Wächter ins All

28. März 2014, 12:22
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Sojus-Rakete bringt am 3. April den ersten einer ganzen Flotte von "Sentinel"-Satelliten ins All

Wien - Mit "Sentinel-1A" wird am 3. April der erste Umweltsatellit des europäischen Erdbeobachtungsprogramms "Copernicus" ins All starten. Der Satellit soll Land- und Meeresoberflächen überwachen, Klimaveränderungen beobachten, Meereis kartieren, frühzeitig vor Erdrutschen warnen, Veränderungen in der Flächennutzung darstellen und damit Daten auch für wirtschaftliche Anwendungen liefern.

"Sentinel-1A" wird mit einer Sojus-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana aus starten. Eine ganze Flotte von "Sentinel"-Satelliten (englisch für "Wächter") bildet den Kern von "Copernicus", einer Initiative der EU, der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der Europäischen Organisation für meteorologische Satelliten (EUMETSAT). Bis 2021 ist der Start von insgesamt fünf verschiedenen "Sentinel"-Missionen geplant. 

Ausstattung und Aufgabe

"Sentinel-1A" verfügt über ein Radarsystem, das rund um die Uhr bei allen Wetterlagen hoch aufgelöste Bilder der Land- und Meeresoberflächen liefert. Gemeinsam mit dem baugleichen Sentinel-1-B, der im kommenden Jahr starten und die Erde um 180 Grad versetzt umrunden soll, werden die Sonden alle sechs Tage Bilder und Daten von jedem Ort auf der Erde erfassen. Sie setzen damit die kontinuierliche Umweltbeobachtung der Missionen ERS-1, ERS-2 und ENVISAT fort.

Die Satelliten-Flotte soll eine riesige Datenmenge sammeln: "Die Beschaffenheit der Erdoberfläche, Waldbrände, vulkanische Aktivitäten, Ölteppiche nach Havarien, die Meeresparameter im Allgemeinen, Wasserstände, die Meeresoberfläche, Klimadaten, Luftqualität, Eisdecken, und so weiter. Alles was man messen kann, wird auch gemessen", sagt Josef Aschbacher vom ESA-Erdobservatorium nahe Rom, wo das Projekt koordiniert wird.

Überwacht werden sollen die Auswirkungen des Klimawandels, die Ausdehnung des arktischen Meereises und die Meeresumwelt, Landflächen, etwa um Bewegungen von Erdmassen frühzeitig zu erkennen, und Veränderungen in der Flächennutzung. Zudem sollen die Beobachtungsdaten die Hilfe in Katastrophenfällen und bei humanitären Krisen unterstützen.

Nutzen für alle

Nach Angaben von Volker Liebig von der ESA werden die gesammelten Daten für alle Interessierten öffentlich zugänglich sein und sollen auch der europäischen Wirtschaft einen Schub geben. Ähnlich wie mit den Signalen von Navigationssatelliten sollen Unternehmen Geschäftsfelder mit den Daten der "Sentinel"-Satelliten aufbauen können.

Entworfen und gebaut wurde der Satellit von einem Konsortium aus rund 60 Unternehmen. Auch der Raumfahrtzulieferer RUAG Space Österreich, mit 190 Mitarbeitern die größte heimische Firma im Bereich Weltraumtechnik, hat daran mitgewirkt und die GPS-Navigationsempfänger, mit denen sich die Satelliten im All orientieren, sowie die gesamte Thermalisolation für die Sonde geliefert, teilte das in Wien ansässige Unternehmen in einer Aussendung mit.

Damit der Satellit seine Vermessungsaufgaben mit der geforderten Präzision durchführen kann, muss die aktuelle Satellitenposition sehr genau bestimmt werden. Dafür nutzen die Satelliten die Signale des US-Satellitennavigationssystems GPS. Die von RUAG Space entwickelten GPS-Empfänger wurden in Wien speziell für die Erfordernisse einer hochgenauen Positionsbestimmung maßgeschneidert. Sie können Empfangssignale auf zwei unterschiedlichen Frequenzen gleichzeitig verarbeiten, im Gegensatz zu den auf der Erde eingesetzten GPS-Empfängern, die üblicherweise nur mit einer Frequenz arbeiten. Damit kann höchstmögliche Positionsgenauigkeit erzielt werden.

Nächster Schritt

Airbus und die europäische Raumfahrtorganisation ESA haben indessen einen Vertrag über die Erweiterung des "Copernicus"-Programms unterzeichnet. Für 144 Millionen Euro werde die Airbus-Raumfahrttochter Airbus Defence and Space "Sentinel-5" entwickeln, teilte Airbus mit.

"Sentinel-5" ist ein Spektrometer, das vom Weltraum aus ständig die Zusammensetzung der Atmosphäre analysieren soll. Es bestimmt laut Airbus unter anderem den Gehalt an Spurengasen und Aerosolen, die für das Klima und die Luftqualität wichtig sind. Das neue Gerät soll auf einem MetOP-Satelliten zum Einsatz kommen, der zur Flotte des "Copernicus"-Programms gehört. Dessen Start ist für das Jahr 2021 vorgesehen. (APA/red, derStandard.at, 28. 3. 2014)

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