Technology and Vision 2014: Die digitalen Trends im (künftigen) Jobumfeld

30. März 2014, 17:00
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Die Grenzen zwischen Kunden und Belegschaft lösten sich zunehmend auf und alle Unternehmen seien auf dem Weg, digitale Firmen zu werden, sagt die aktuelle Accenture-Studie

In der aktuellen Studie "Technology and Vision 2014" hat Accenture sechs Trends destilliert:

1. Digitale und physische Grenzen verschwimmen: Im sogenannten Internet der Dinge kommunizieren Maschinen miteinander, Sensoren und Funkchips verbinden die physische und die virtuelle Welt. Unternehmen nutzen Daten in Echtzeit, um schneller und intelligenter auf Marktveränderungen zu reagieren. Das Internet der Dinge ändert Lebensgewohnheiten und Arbeitswelt. Philips und Accenture haben beispielsweise ein Konzept für den Einsatz von Google Glass im Krankenhaus vorgestellt. Ein Arzt mit der Datenbrille kann die Vitaldaten seines Patienten überwachen und gleichzeitig auf Entwicklungen bei einem chirurgischen Eingriff reagieren - ohne sich vom Patienten oder vom Operationstisch abwenden zu müssen.

2. Grenzen zwischen Kunden und Belegschaft lösen sich auf: Bisher haben Marketingabteilungen die Wünsche und Vorlieben der Verbraucher erforscht. Künftig arbeiten Kunden direkt an Produkten mit, indem sie über Netzwerke ihre Ideen beisteuern. Die Grenzen zwischen Belegschaft und Konsumenten lösen sich auf. In den USA profitiert etwa Mastercard von den Datentüftlern des Informatiker- und Mathematiker-Netzes Kaggle. In Deutschland haben Firmen wie Tchibo Plattformen wie Tchibo Ideas geschaffen, über die Kunden eigene Produktideen entwickeln. Crowdsourcing als neue Form der Mitarbeit zeigt großen Unternehmen, wo neue Trends entstehen.

3. Unternehmen integrieren ihre Daten abteilungsübergreifend: Trotz ausgereifter Tools zum Datenmanagement bleiben Daten in vielen Unternehmen ungenutzt. Wie Accenture festgestellt hat, integriert lediglich eines von fünf Unternehmen seine Daten über alle Abteilungen hinweg. Dies ist jedoch eine Voraussetzung für den neuen Blick auf Informationsnutzung. Die Verwendung von Daten sollte nach dem Modell einer Lieferkette aufgebaut sein, die das komplette Unternehmen durchzieht. Die Daten werden genutzt, geteilt und weiterverwendet, so wie andere Produkte auch. Google zeigt, wie dieser Ansatz noch ausgebaut werden kann. Seit das Unternehmen seine Programmierschnittstellen geöffnet hat, arbeiten mehr als 800.000 Websites mit Daten aus Google Maps.

Ein anderes Beispiel: Procter & Gamble hat gemeinsam mit Accenture das Programm "Talent by Design Solution" aufgesetzt. Der Konsumgüterkonzern verfügt nun über ein durchgängiges Performance-Management.

4. Hardware gewinnt durch Hyperscaling neue Bedeutung: Der Bedarf an großen und schnellen Rechenzentren steigt. Im Zuge der Digitalisierung können große Unternehmen die Vorteile ihrer Hardware ausschöpfen: Wer Energieverbrauch, Prozessoren und die Architektur seiner Infrastruktur intelligent managt, kann Skalen-Effekte nutzen und Kosten senken. Aufgrund der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle ist Hardware zunehmend als Basis für künftiges Wachstum relevant.

5. App-Stores machen Software zur Kernkompetenz: Ursprünglich für den privaten Nutzer gedacht, tragen Apps immer mehr zur Agilität eines Unternehmens bei. Nach den Zahlen von Accenture haben 54 Prozent der als besonders erfolgreich eingestuften IT-Abteilungen Enterprise App Stores eingeführt. Entscheider sind nun gefordert, die Rollen bei der App-Entwicklung beziehungsweise den gesamten Entwicklungsprozess so zu gestalten, dass sie die Unternehmensziele unterstützen. Einer der Vorreiter dabei ist Japan Post Co. Das Unternehmen nutzt Apps über die Plattform von Salesforce.com. Japan Post hat 15 Apps entwickelt, die Anwendern Einblick in Services und Produkte unternehmenseigener Finanzdienstleistungen geben. Nach eigenen Angaben erzielte Japan Post mehr Flexibilität bei sinkenden Kosten.

6. Widerstandsfähige IT-Architektur: Die Selbstverständlichkeit des "always on" erfordert Systeme, an denen Cyber-Attacken quasi abprallen. Wie Unternehmen dabei vorgehen können, zeigt Netflix. Die IT-Abteilung des Unternehmens arbeitet mit automatisierten Testing-Tools, greift sich ständig selbst an und beobachtet diese Angriffe genau. "Über kurz oder lang wird sich jedes Unternehmen mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das eigenen Geschäftsmodell beschäftigen müssen", sagt Daniel Baur, Managing Director und Technologie-Experte von Accenture Österreich. "Es braucht eine digitale Vision für die Kundenbindung durch intelligente Produkte, die Lieferketten, den Service und die Art und Weise, wie im Unternehmen Daten zu entscheidungsrelevanten Informationen werden." (red, DER STANDARD, 29./30.3.2014)

  • Die digitalen Möglichkeiten werden den Joballtag weiter verändern.
    foto: www.istockphoto.com/kirstypargeter

    Die digitalen Möglichkeiten werden den Joballtag weiter verändern.

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