Späte Ehrung für eine tapfere Frau aus Gleisdorf

27. März 2014, 17:41
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Josefa Posch rettete fünf jüdische Häftlinge - eine nach einem Naziforscher benannte Straße erhält jetzt ihren Namen

Gleisdorf/Wien - Es ist ein durchaus beispielgebender demokratiepolitischer Akt, den die Gleisdorfer Stadtpolitiker dieser Tage gesetzt haben: Sie korrigierten eine historische Fehleinschätzung.

Der Gemeinderat hatte 1990 eine Straße nach dem gebürtigen Gleisdorfer Botaniker Fritz Knoll benannt. Offensichtlich in Unkenntnis der dunklen Kapitel in Knolls Biografie. Als seine Rolle in der NS-Zeit bekannt wurde, formulierten die Grünen im Gemeinderat einen Antrag, die Fritz-Knoll-Straße umzubenennen. Die Gemeinderatsmitglieder der anderen Parteien stimmten - nach weiteren genaueren Recherchen - jetzt zu, die Verbindung zwischen dem Bahnhof und der Südautobahn in "Josefa-Posch-Straße" umzubenennen. Josefa Posch rettete 1944 fünf jüdischen Häftlingen, die auf der Flucht waren, das Leben. Sie und ihr Vater versteckten die Schutzsuchenden auf dem Dachboden. Dabei riskierten sie das Leben ihrer gesamten, bei Gleisdorf lebenden Familie.

Name in Yad Vashem

Der Name Josefa Posch und jener ihres Vaters Rupert finden sich auf den Gedenktafeln für die "Gerechten unter den Völkern" in der Gedenkstätte Yad Vashem. Den ersten Anstoß zur Aufklärung der Vergangenheit Knolls hatte STANDARD-Wissenschaftsredakteur Klaus Taschwer Anfang 2013 mit einer Recherche zu den NS-Aktivitäten Knolls gegeben.

Von Knoll war bis dahin eigentlich nur bekannt, dass er nach 1945 eine akademische Karriere hingelegt und dafür zahlreiche Auszeichnungen der Republik erhalten hatte. Seine wissenschaftliche Laufbahn vor 1945 blieb im Dunkeln. Dabei hatte sich Knoll schon sehr früh für die Nazis engagiert. Er trat 1933 dem NS-Lehrerbund bei, 1937 der NSDAP. Ein Jahr später machte ihn die NSDAP zum Rektor der Wiener Uni. Knoll entfernte umgehend 252 Universitätslehrer aus politischen und "rassischen Gründen" von der Universität.

Ab 1943 überwarf er sich aber mit fanatischen Nazis, was ihm nach 1945 die Einstufung als "minder belastet" und eine neuerliche wissenschaftliche Karriere eintrug. Weitere Veröffentlichungen über seine NS-Zeit veranlassten den Gleisdorfer Gemeinderat schließlich, den Beschluss von 1990 zu revidieren. Die "Josefa-Posch-Straße" ist übrigens die erste nach einer Frau benannte Straße in Gleisdorf. (mue, DER STANDARD, 28.3.2014)

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