Hilfe für Greifvögel: Neue Höhenflüge nach dem tiefen Fall

28. März 2014, 05:30
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Gebrochene Flügel, angeknackste Schnäbel: Reinhard Osterkorn päppelt seit 20 Jahren Greifvögel wieder auf. Jetzt macht die Nachfrage einen Ausbau der Linzer Vogelklinik notwendig

Linz - Josef und Birgit sind frisch verliebt und so richtig glücklich miteinander. 60 Quadratmeter nennen die beiden seit kurzem ihr Eigen. Holzriegelbau in bester Waldlage. Man hat zwar die Ratten im Haus - aber überhaupt kein Problem damit.

Das Habichtskauz-Pärchen hat vor kurzem das neue Freiland- und Zuchtgehege der Greifvogel- Pflege- und Aufzuchtstation des Naturschutzbundes Oberösterreich in Linz-Ebelsberg bezogen. Unter Aufsicht von "Vogeldoktor" Reinhard Osterkorn werden die Jungkäuze auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Und auf deren Flügel lastet Verantwortung, denn der Habichtskauz (Strix uralensis) gilt eigentlich seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich als ausgestorben. Ein erfolgreiches Wiederansiedlungsprojekt läuft aber derzeit im Wildnisgebiet Dürrenstein.

Pflegestation wird erweitert

Dort sollen ab Juni auch Josef und Birgit turteln. Obwohl natürlich das Linzer Liebesnest nicht zu verachten ist. Unter der Federführung von Reinhard Osterkorn wird die Pflegestation im Moment ordentlich erweitert. "Neun neue Volieren mit einer Gesamtfläche von rund 380 Quadratmetern kommen dazu", freut sich Osterkorn im Standard-Gespräch.

Notwendig wurde der Ausbau, weil der Bedarf vor allem an "Krankenbetten" in den letzten Jahren rasant angestiegen ist. Osterkorn: "Wir bekommen deutlich mehr verletzte Vögel herein. Den Tieren kommt vor allem die moderne Architektur nicht gerade entgegen. Keine Gebäudenische mehr ohne Gitter, kein offener Stadl, viel Glas." Dazu machen der Straßenverkehr und diverse Freilandleitungen die Flugrouten gefährlich. Andererseits sei aber die Sensibilität der Menschen gestiegen, verletzte Vögel würden heute vermehrt abgegeben werden.

Bubo ist so ein Fall. Der Uhu ist direkter Nachbar von Josef und Birgit. Mit einem Unterschied: Bubo ist Dauergast von Reinhard Osterkorn. Eine Stromleitung hat die Eule in jungen Jahren für immer auf den Boden der Tatsachen geholt. Der rechte Flügel war nicht mehr zu retten.

"Madame" von nebenan

"Madame", eine Käfigtür weiter, hat es im Fuß. Der mächtige Steinadler war als Küken aus dem Horst gefallen und hat sich dabei den Fuß gebrochen. Entwicklungsmäßig in einer heiklen Phase: "Madame" hat nie gelernt, adlertypisch Beine und Klauen nach hinten zu schwingen, während das Beutetier ergriffen wird.

In den meisten Fällen geht der Absturz aber letztlich gut aus: "Der Großteil meiner Patienten schwingt nach einem Jahr wieder erfolgreich ab." Jedes Mal wieder ein erhebendes Gefühl für den Greifvogelexperten. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 28.3.2014)

  • Der "Vogeldoktor" und das liebe Vieh: Uhu Bubo ist nach einem Unfall Invalide und damit Dauergast bei Reinhard Osterkorn.
    foto: wjd

    Der "Vogeldoktor" und das liebe Vieh: Uhu Bubo ist nach einem Unfall Invalide und damit Dauergast bei Reinhard Osterkorn.

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