Hurenaugen mit 27

27. März 2014, 16:30
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Die Filmemacherinnen wollen herausfinden, wie es ist, "wenn Menschen Körper verkaufen und kaufen"

Ella isst Pizza. Denn: Kalorien verbraucht man viele im Bordell. Sie ist 21 und soll sich gleich um Franz (77) kümmern. Bei ihm dauert alles ein bisschen länger, erklärt die "Puffmutter". So bezeichnen die Filmemacherinnen Linda Luft und Brid Roesner die Chefin. Für die Doku 7 Tage ... im Bordell, Mittwoch auf 3sat, verbringen sie eine Woche in einem Hamburger Club. Sie wollen herausfinden, wie es ist, "wenn Menschen Körper verkaufen und kaufen".

Luft hilft mit, die 16 Zimmer sauberzumachen, und ekelt sich vor den Fellatio-Kabinen, den "Entsaftern". Gemeinsam mit Hausmeister Jens, dem "Mädchen für alles", bastelt sie Spannerkabinen. Eine halbe Stunde Sex kostet 38,50 Euro, den Mädchen bleiben davon 20. Man muss einfach „eine Show darstellen", erzählt Ella und stellt sich lächelnd dem nächsten Freier vor. Dass die Gespräche mit den Prostituierten an der Oberfläche bleiben, liegt vor allem an den Fragen der Redakteurin, die vor allem wissen will, ob das nicht eklig sei mit einem alten Mann oder ob Liebe und Sex zwei unterschiedliche Sachen seien. Schade, denn die Frauen sind durchaus bereit zu erzählen. Aber: Es wird nicht nachgehakt, kein echter Dialog geführt.

Auch der Off-Kommentar gerät zu wertend. "Geld ist für die Huren auch Morphium, Geld betäubt", heißt es da, nachdem Ella erklärt, dass der Job zwar keinen Spaß mache, sie sich aber an das Geld gewöhnt habe. Oder: "Hurenalltag: So ein Leben hält man nur aus, wenn man verdrängt, bis von einem selbst nichts mehr übrigbleibt." Irgendwann bekämen die Mädchen kalte Augen, ein kaltes Gesicht, sagt die Bordellchefin. "Hurenaugen mit 27", legt die Autorin noch eines drauf. (Astrid Ebenführer, DER STANDARD, 28.3.2014)

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