Nach Twitter auch Youtube in der Türkei blockiert

4. November 2014, 09:11
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Telekombehörde spricht von "administrative Maßnahme"

Die türkischen Behörden haben nach Twitter nun den Zugang zur Video-Plattform Youtube blockiert. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, verlautete am Donnerstag aus türkischen Regierungskreisen. Die Veröffentlichung von Aufnahmen eines Gesprächs von Regierungsvertretern über einen möglichen Militäreinsatz im Nachbarland Syrien gefährde die nationale Sicherheit der Türkei. Man sei im Gespräch mit Youtube und erwäge eine Aufhebung der Sperre, falls die Video-Plattform bereit sei, die betreffenden Aufnahmen zu löschen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nannte vor Anhängern in Diyarbakir die Veröffentlichung des Mitschnittes schändlich. Die Youtube-Mutter Google teilte mit, einige Nutzer in der Türkei hätten keinen Zugang zu Youtube.

Zuvor hatte die Telekommunikationsbehörde den Kurznachrichtendienst gesperrt. Am Mittwoch hatte ein Gericht in Ankara allerdings das Ende der Twitter-Blockade angeordnet. Einige Nutzer hatten auf Twitter und in anderen Online-Netzwerken auf Tonaufnahmen und Dokumente verwiesen, die angeblich Beweise für Korruption im engsten Umkreis Erdogans liefern und seine Verwicklung belegen sollen. Der Regierungschef hatte erklärt, Twitter gefährde die nationale Sicherheit und verweigere die Zusammenarbeit mit den Behörden.

Erdogan soll Sexvideo über Baykal in Auftrag gegeben haben

Ein Sexvideo, das den türkischen Oppositionschef Deniz Baykal 2010 zu Fall brachte, soll von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Auftrag gegeben worden sein. Wie "Spiegel Online" am Donnerstag berichtete, sollen anonyme Kritiker der Erdogan-Regierung heimlich mitgeschnittene Gespräche auf "YouTube" hochgeladen haben, die dies nahelegen.

In dem Video war Baykal in einer ehebrecherischen Situation mit einer Abgeordneten zu sehen. Nach der Veröffentlichung des Films musste der damalige Chef der Republikanischen Volkspartei (CHP) zurücktreten. Er hatte seinem Erzrivalen Erdogan schon damals vorgeworfen, ein "Komplott" gegen ihn eingefädelt zu haben. (APA, 27.3.2014)

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