Ökonomisches Wachstum reduziert Unterernährung von Kindern nicht

27. März 2014, 15:51
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Nach der Analyse von 121 Studien stellten Forscher fest: Auch Wirtschaftsboom verringert Unterentwicklung und Untergewicht kaum

Das ökonomische Wachstum einer Nation allein reduziert die Unterernährung von Kindern nicht. Dies ist das Fazit einer Studie von schweizerischen, deutschen, indischen und US-Forschern mit Daten aus 36 Entwicklungsländern. Sie appellieren an die Politik, das Problem anzugehen.

Kein Zusammenhang

Die Ergebnisse der Studie weisen keinen Zusammenhang zwischen dem ökonomischen Wachstum und der Rate an unterernährten Kindern auf Länderebene nach. Auf Individuen bezogen führte ein fünfprozentiger Zuwachs im Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu einer sehr schwachen Abnahme von Unterentwicklung (-0,4 Prozent), Untergewicht (-1,1 Prozent) und Auszehrung (-1,7 Prozent). Die Autoren strichen hervor, dass sich insbesondere bei Kindern aus den ärmsten Haushalten, die besonders verletzlich seien, kein Effekt bei ökonomischem Wachstum zeigte.

Drei Gründe könnten dafür verantwortlich sein: Entweder sind die Einkommen sehr ungleich verteilt und die Ärmsten vom Wachstum ausgeschlossen. Möglich sei auch, dass das wachsende nationale Einkommen nicht in öffentlichen Investitionen für die bessere Kinderernährung mündet oder die Haushalte selbst das zusätzlich gewonnene Einkommen nicht dafür ausgeben.

Direkte Investitionen nötig

Die Forscher betonten deshalb, dass das Problem nur gelöst werden könne, wenn direkt in wirksame Maßnahmen gegen die Unterernährung und für die Gesundheit von Kindern investiert wird. Die ökonomische Entwicklung sei grundsätzlich wichtig, doch Politiker sollten sich nicht allein auf einen Trickle-down-Effekt verlassen. Damit wird die bis heute nie bestätigte Theorie bezeichnet, dass das Wirtschaftswachstum und der Wohlstand der Reichen nach und nach in die unteren Schichten der Gesellschaft durchsickern.

Die Wissenschafter werteten Daten mit Stichproben von Kindern im Alter bis zu drei Jahren aus, die für das jeweilige Land aussagekräftig sind. Die Daten stammten aus 121 Studien, die zwischen 1990 und 2011 in 36 Ländern mit tiefem bis mittlerem Einkommen durchgeführt worden waren.

Unterernährung trägt weltweit jedes Jahr zum Tod von 2,6 Millionen Kindern bei. Das ist mehr als jeder dritte Todesfall im Kindheitsalter. Die Studie wurde von Forschenden der ETH Zürich, der Harvard School of Public Health (USA), der Universität Göttingen und vom Indian Institute of Technology in Gandhinagar durchgeführt. (APA, derStandard.at, 27.3.2014)

Die Studie:

Association between economic growth and early childhood undernutrition: evidence from 121 Demographic and Health Surveys from 36 low-income and middle-income countries. The Lancet Global Health. doi:10.1016/S2214-109X(14)70025-7

  • Sehr oft sind die Ärmsten der Armen vom Wachstum ausgeschlossen.
    foto: ap/schalk van zuydam

    Sehr oft sind die Ärmsten der Armen vom Wachstum ausgeschlossen.

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