Lyrische Katastrophenpfade

Gespräch27. März 2014, 17:55
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Ein Gespräch mit Sopranistin Mojca Erdmann, die in Waidhofen an der Ybbs Lieder präsentiert

Wien - Im vergangenen Herbst war die deutsche Sopranistin erstmals an der Wiener Staatsoper im Rosenkavalier zu erleben, als Sophie, nun kehrt Mojca Erdmann für einen Liederabend und zwei Konzerte mit dem Tonkünstlerorchester Niederösterreich nach Österreich zurück.

In welcher Begleitgarderobe tritt sie eigentlich lieber auf - mit dem luftigen, dünnen Hemdchen des Klaviers oder dem üppig-prunkenden Pelzmantel des Orchesterklangs? Eine feine Sache an einem Liederabend sei die, dass man mit der Dynamik ganz runtergehen könne, meint die lyrische Sopranistin. Man könne zudem besser mit den Stimmfarben spielen und die Tempi freier gestalten. Und: "In einem Liederabend ist man dem Publikum sehr viel direkter ausgesetzt. Der Austausch von Energie funktioniert also unmittelbarer", meint die 38-Jährige.

Nicht viel reden

Beim Liederabend beim Klangraum Waidhofen wird ihr Gerold Huber dabei behilflich sein, seit acht Jahren schon Mojca Erdmanns treuer Begleiter am großen Schwarzen. "Bei den Proben reden wir nicht viel, wir machen einfach gemeinsam Musik und spüren, wohin's geht", erzählt Erdmann. Aufgrund der gemeinsamen Erfahrung könne man sich im Konzert erlauben zu spielen, Dinge auszuprobieren: "Der andere macht sie einfach mit." Gerold Huber sei ein großer Farbkünstler und auch ein sehr feinsinniger Pianist: "Wir musizieren zumeist mit geöffnetem Flügel, trotzdem ich habe nie Angst, dass er zu laut ist."

Für den Liederabend im Kristallsaal des Rothschildschlosses hat Erdmann ein Programm zusammengestellt, bei dem Lieder von Richard Strauss mit thematisch ähnlichen Kompositionen von Mozart, Schubert, Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Aribert Reimann und Wolfgang Rihm gekoppelt werden. Zusätzlich zur Zweierbindung der Lieder hat Erdmann programmatisch einen katastrophenwärts verlaufenden Pfad der Liebe angelegt, der von erster Verliebtheit über Enttäuschung, Verrücktheit bis in die Gefilde von Tod, Erlösung und Ewigkeit reicht.

Die Sopranistin hat schon einige Uraufführungen von großen Rihm-Werken gesungen. Was erwartet das Publikum bei seinen drei Liedern Ophelia sings? Bezieht er sich konkret auf die Drei Lieder der Ophelia von Strauss? "Nicht wirklich", meint Erdmann. "Rihm verwendet den englischen Shakespeare-Text, der Pianist hat manchmal gewisse Textstellen zu sprechen. Die Tempi der drei Lieder sind fast ident, ihre Charaktere sehr unterschiedlich." In München hat sie zu Anfang dieses Monats einen Rosenkavalier gemacht - wie an der Wiener Staatsoper ebenfalls in einer recht vergangenheitsseligen Regie von Otto Schenk:

"Es war für mich eher ungewohnt ... Ich habe viel an der Komischen Oper in Berlin gesungen, da gibt es doch eher zeitgenössische Inszenierungen. Ich freue mich aber schon auf den Rosenkavalier im Sommer bei den Salzburger Festspielen - da wird Harry Kupfer inszenieren."

Intensität durch Lulu

Sowohl an der Komischen Oper Berlin als auch in München hat Erdmann mit Dirigent Kyrill Petrenko zusammengearbeitet, über den sie unvermittelt ins Schwärmen gerät: "Er ist sehr genau, und er fordert von allen Beteiligten sehr viel, dies aber immer mit einer Freundlichkeit und einer natürlichen Autorität. Und er ist ein zauberhafter Musiker."

Wie auch Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, unter dessen rücksichtsvoller Gestaltung die Lyrikerin Erdmann einen Ausflug in dramatische Gefilde unternommen hat, 2012 mit der Lulu in Berlin. Die Produktion in der Regie von Andrea Breth wird in der nächsten Saison wiederaufgenommen: "Eine wahnsinnig intensive Arbeit", schwärmt Erdmann. (Stefan Ender, DER STANDARD, 28.3.2014)

  • 29.3. Liederabend mit Gerold Huber beim Klangraum Waidhofen
  • 4.4. bzw. 7.4. Konzert mit dem TKO Niederösterreich im Wiener Musikverein und im Festspielhaus St. Pölten

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  • Sopranistin Mojca Erdmann.
    foto: felix broede

    Sopranistin Mojca Erdmann.

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