Präzise Einsamkeit

27. März 2014, 18:17
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Der fulminante Klarinettist Stefan Neubauer widmet sich auf "Solitaire Changes" der Moderne

Einsames Spielen, also Unbegleitetes, ist die nackteste, womöglich ehrlichste Form des Musizierens. Besonders bei Instrumenten, die nicht harmoniefähig sind, wie es bei den meisten Bläsern der Fall ist, kommen auf den Musiker besondere Anforderungen zu. Jeder Ton, den er von sich gibt, muss sitzen, Charakter aufweisen; es gibt keine Chance, in einem Kollektiv unterzutauchen. Der Einzelton muss echte Wirkung entfalten, Charisma vermitteln, gleichzeitig aber braucht das gesamte Werk und dessen Struktur Stringenz und Kompaktheit. Klarinettist Stefan Neubauer hat auf Solitaire Changes diese einsame Situation gesucht und sich dabei vorwiegend auf zeitgenössische Opera konzentriert. Als jemand, der schon mit dem Ensemble des 20. Jahrhunderts und dem Ensemble Wiener Collage kooperierte und Gast von Kollektiven wie die reihe und Klangforum Wien war.

Auf Solitaire Changes (bei Orlando Records) finden sich Ideen von Alexander Stankovski, Jörg Widmann, René Staar, Zdzislaw Wysocki, Igor Stravinsky, Steve Reich, Yuki Morimoto, Günter Kahowez, Hans Erich Apostel, Robert Hall Lewis, Rainer Bischof und Eugene Hartzell. Und sie werden intensiv, präzise und im Ausdruck pointiert erweckt. Hier verschmelzen technische Fertigkeiten und interpretatorische Tiefe auf das Edelste. Der Ö1-Pasticciopreis - vergeben in Kooperation mit demStandardund Musikredakteur Ljubiša Tošic als Jurymitglied - geht somit an Stefan Neubauer und seine Einspielung Solitaire Changes. (red, Rondo, DER STANDARD, 28.3.2014)

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