Haider-Versteher Armin Assinger

Kommentar27. März 2014, 12:30
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Der Moderator der "Millionenshow" begreift nicht, was Jörg Haider Kärnten angetan hat

"Wie stünde Kärnten jetzt da, wenn es Haider nicht gegeben hätte? Wir hätten kein Stadion und keine Seebühne." In einem Interview in der jüngsten Ausgabe des Magazins "Wiener" vergisst oder weigert sich Armin Assinger, der Gastgeber der ORF-"Millionenshow", den brisantesten Teil der Politik Jörg Haiders zu erwähnen, das Milliardendebakel der Hypo Alpe Adria.

Das nicht zu wissen wird man ihm kaum unterstellen, würde er mit so einer Lücke doch gleich am Beginn seiner eigenen Show als Kandidat scheitern. Deshalb taucht er – ganz nüchtern – gleich in Haiders "Politik der Gefühle" ein: "Ganz nüchtern betrachtet hat es mir imponiert, wie er die Menschen begeistern konnte. Der hat die Ohrwaschln am Tisch liegen gehabt und Gespür für die Bedürfnisse der Menschen."

Was Assinger auslässt: Die Bedürfnisse der einfachen Menschen hat Haider zum Beispiel mit persönlich ausgezahlten Müttergeldern bedient. Die wirklich großen Summen gingen jedoch an kroatische Oligarchen und an andere südosteuropäische Immobilienhaie.

Als Moderator disqualifiziert

Dass Assinger trotzdem zu dem Befund kommt, er habe "keine Ahnung", ob Haider "dem Land geschadet oder gutgetan" habe, ist zwar weder extremistisch noch rechtspopulistisch. Es disqualifiziert ihn aber als Moderator mit Anspruch auf Seriosität.

Ausgerechnet in der Startphase des Europawahlkampfes präsentiert sich Armin Assinger als Haider-Versteher. Und letztlich als Verharmloser von zwei zentralen Problemen der österreichischen Politik der jüngeren Zeit: von Haiders politischem Spiel mit Teilen der Nazi-Ideologie und von Haiders Versuch, ein kleines Land mit betrügerischen Megageschäften größer zu machen. 

Assingers "größter Fehler" war nicht, dass er 1989 bei einer Abfahrt "wia a g'sengte Sau gefahren ist" und einen schweren Sturz gebaut hat. Dieser Kapitalfehler ist ihm jetzt passiert: dass er als fast 50-Jähriger noch immer nicht begreift, was Jörg Haider seiner politischen Heimat angetan hat. (Gerfried Sperl, derStandard.at, 27.3.2014)

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