Drei-Prozent-Grenze: Hypo treibt Österreich in die Gefahrenzone

27. März 2014, 12:26
698 Postings

Die heimische Wirtschaft wächst verhalten, anders sieht es mit der Neuverschuldung aus, die dank Hypo auf drei Prozent schnellt

Wien - Mitte März war für Österreichs Finanzminister Folgendes klar: Trotz Rettung der Hypo dürfe "das Maastricht-Defizit nicht über drei Prozent steigen", machte Michael Spindelegger deutlich. Ende März sieht die Sache so aus: Das gesamtstaatliche Defizit wird laut Wifo und IHS durch die Abwicklung der Hypo Alpe Adria heuer um einen Prozentpunkt steigen. Das Wifo geht davon aus, dass die im Maastricht-Vertrag festgelegte Obergrenze von 3,0 Prozent erreicht wird. Laut IHS-Zahlen wird die Grenze mit 3,1 Prozent des BIP leicht überschritten. So gesehen bleibt der Finanzminister irgendwie im Plan. Im Jahr 2015 soll das Defizit wieder deutlich auf 1,2 oder 1,4 Prozent der Wirtschaftsleistung zurückgehen. 

Das ist jenes Jahr, in dem auch die heimische Wirtschaft ein bisschen mehr wachsen soll. Wifo und IHS legten dazu am Donnerstag die Zahlen vor: Österreichs Wirtschaft soll demnach heuer um 1,7 Prozent wachsen und 2015 um 1,7 Prozent (Wifo) oder 2,0 Prozent (IHS). Dann geht es mit den weniger guten Nachrichten weiter: Das Wachstum bleibt weiterhin zu niedrig, um die Arbeitslosigkeit zurückzudrängen. Die Rekordarbeitslosenrate nach nationaler Berechnung soll heuer von 7,6 Prozent im vergangen Jahr auf 7,8 (IHS) oder 8,0 (Wifo) Prozent steigen und 2015 bei 7,6 Prozent oder 8,1 Prozent liegen.

Langsame Belebung in Europa

Die gute Nachricht: Gegen Jahresende hat sich die Konjunktur in Europa insgesamt belebt. Allerdings wird die Beschleunigung weiterhin verhalten sein, heißt in der aktuellen Konjunkturpronose. Der Grund: Viele Länder haben die Finanzmarktkrise noch nicht überwunden, und die Notwendigkeit der Konsolidierung der öffentlichen Budgets dämpft die Aufwärtsentwicklung.

Die Inflationsrate ist zwar insgesamt rückläufig, bleibt allerdings im Vergleich mit den anderen EU-Ländern hoch, so die Konjunkturforscher. Die Weltwirtschaft profitiert vom Wachstum in den USA. Für Österreich erwarten IHS und Wifo einen "gefestigen, flachen Aufschwung". Als Hauptrisiken für die Konjunktur sehen die Wirtschaftsforscher ein Nachlassen der Reformanstrengungen in den EU-Staaten, die Krim-Krise verbunden mit Russland-Sanktionen und die Entwicklung der Schwellenländer-Kapitalmärkte.

Keine Aufschwungphase in Sicht

Der Wifo-Konjunkturtest und der Wifo-Frühindikator signalisieren ein Anhalten der wirtschaftlichen Erholung in Österreich, jedoch ohne deutliche Beschleunigung der Aufwärtsdynamik wie normalerweise in Aufschwungphasen üblich. "Es bestehen aber auch Chancen für eine etwas bessere Entwicklung. Im historischen Vergleich gesehen ist das unterstellte Tempo des Wirtschaftsaufschwungs nur gering. Von der verbesserten Stimmungslage könnten daher auch stärkere Wachstumsimpulse ausgehen", schreibt das IHS in seiner Prognose.

Die privaten Konsumausgaben werden nach einem Rückgang um real 0,2 Prozent im Jahr 2013 heuer laut Prognose um 0,8 Prozent wachsen und 2015 um bis zu 1,1 Prozent. Aufgrund der mäßigen Einkommenssteigerung - die realen Nettolöhne und -gehälter sind seit Jahren rückläufig - wird der Konsum die heimische Konjunktur weiterhin nicht wesentlich stützen können.

Schwellenländer lassen aus

Der außenwirtschaftliche Impuls für die heimische Volkswirtschaft soll auch schwächer ausfallen als in vorangegangenen Aufschwungphasen, weil die wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone und in den Schwellenländern nicht mehr den Schwung vergangener Perioden erreicht, mit Ausnahme der USA. Für 2014 erwarten die Wirtschaftsforscher ein reales Waren-Exportplus von 5,0 (IHS) oder 5,5 Prozent (Wifo) und für 2015 ein Plus von 6,3 oder 6,5 Prozent.

Beide Institute sehen keine Deflationsgefahr in Österreich, die heimische Teuerung dürfte weiterhin deutlich über dem Durchschnitt des Euroraumes liegen. Für heuer rechnet das IHS mit einer Inflationsrate von 1,8 Prozent und das Wifo mit 1,9 Prozent, und für 2015 erwarten beide eine Steigerung des Verbraucherpreisindex von 1,9 Prozent. Der inflationsdämpfende Effekt der Treibstoffverbilligung werde im Laufe des Jahres abklingen, während die Anhebung der Tabaksteuer, der motorbezogenen Versicherungssteuer, der Normverbrauchsabgabe, der Alkohol- und der Schaumweinsteuer mit 1. März 2014 preissteigernd wirken. Laut Wifo soll heuer der Inflationsbeitrag dieser Verbrauchssteuererhöhungen rund 0,25 Prozentpunkte betragen. (APA/red, derStandard.at, 27.3.2014)

  • Wie groß ist die Belastung für den Staatshaushalt? Sehr groß, scheint der Finanzminister zu signalisieren.
    foto: standard/cremer

    Wie groß ist die Belastung für den Staatshaushalt? Sehr groß, scheint der Finanzminister zu signalisieren.

  • Artikelbild
    grafik: apa
  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.