Wiener Elektro-Busse: Darüber staunt die Welt

27. März 2014, 17:18
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Die elektrifizierten City-Busse der Verkehrsbetriebe sind nun seit einigen Monaten im Vollbetrieb unterwegs. Eine Zusammenschau

Ein elektrisch angetriebener Autobus ist nun wirklich nichts Neues, könnte man sagen. Buslinien mit Oberleitung gibt es weltweit gleich in einer dreistelligen Zahl, verteilt über alle Kontinente. Die längste Busstrecke führt von Simferopol nach Jalta, verläuft also auf der soeben zu trauriger Berühmtheit gelangten Halbinsel Krim, das sind fast 90 Kilometer in einem Stück. O-Busse sind zwar geräuscharm, rufen aber erhebliche zusätzliche Bau- und Wartungskosten für die Infrastruktur hervor und sind völlig unflexibel in der Linienführung.

Äußerst umweltfreundlich

Erheblich stört aber die Verantwortlichen von Verkehrsbetrieben das schwierige Handling mit den Oberleitungen, von deren 600 Volt Spannung eine gewisse Gefahr ausgeht, genauso wie Oberleitungen auch selbst sehr gefährdet sind. Außerdem benötigt ein Autobus im Gegensatz zur Straßenbahn zwei Drähte. Kurzum: Ein O-Bus ist ein äußerst umweltfreundliches Verkehrsmittel, der Reiz, es auch tatsächlich einzusetzen, ist trotzdem gering.

Ganz wollte man auf die Idee vom elektrisch betriebenen Autobus bei den Wiener Linien aber auch nicht verzichten. Als eine der treibenden Kräfte im Unternehmen gilt Peter Wiesinger, dem die Idee von batteriebetriebenen Bussen schon sympathisch war, dem aber der hohe Preis durch die kostspieligen Batterien und die immer noch geringe Reichweite ein Dorn im Auge waren.

Mehrere Ladestärken

Also entstand eine Idee: Da ein Autobus an der Endstelle im Regelfall immer einige Minuten warten muss, kann man die Zeit ja zum Nachladen verwenden. Das könnte reichen, um genügend Strom zu laden für die nächste Runde. Man entschied sich für Lithium-Ferrit-Batterien, weil es auch wichtig war, den richtigen Batterietyp zu finden.

Durch das Nachladen kommt man mit der halben Menge aus. Das häufige Laden macht der Lithium-Ferrit-Akkus nichts aus, wichtig ist hier vor allem, dass der Ladezustand nie unter 40 Prozent sinkt. Und das geht sich auch dann locker aus, wenn keine Zeit zum Nachladen bleibt. Man darf nicht vergessen, dass auch geheizt und klimatisiert werden muss. Schnellladen an der Endhaltestelle erfolgt mit 90 Ampere, über Nacht werden die Batterien in der Busgarage Ottakring noch behutsam mit 25 Ampere vollgefüllt.

Herausforderung Winter

Als Herausforderung stellte sich der erste Winter 2012/13 heraus. Ab zwei Grad lief plötzlich nichts mehr. Bei Kälte kommt der Chemiekreislauf in der Batterie quasi zum Stillstand. So sorgen mittlerweile Heizelemente in den Batterien für klaglosen Winterbetrieb.

Der Bus selbst kommt von einem italienischen Hersteller, die Inneneinrichtung wurde nach den Richtlinien der Wiener Linien gestaltet. Siemens hat sich um Elektroantrieb und Ladegerät gekümmert. Die Batterien stammen aus China.

Die Aufladung erfolgt an den Endstationen der beiden innerstädtischen Buslinien, nämlich am Schwarzenbergplatz (2A) und an der Station Schottenring (3A) beim Ringturm. Dafür verwendet man einen Stromabnehmer der Straßenbahn. Das heißt, die wesentliche Technik samt Ladegerät steckt im Bus, so musste, vereinfacht gesagt, lediglich ein Stück Draht von der Straßenbahn zur Buslinie geführt werden. Umständliches Hantieren mit Ladekabel entfällt, die Idee induktiven Ladens wie beim Zahnbürstl kam wegen der Wirkungsgradverluste von vornherein nicht infrage.

Geringe Energiekosten

Natürlich sind einzeln angefertigte Busse relativ teuer, aber es ergeben sich erheblich geringere Energiekosten, zumal ein Elektrobus laut Wiener Linien nur ein Fünftel der Energie eines Dieselbusses verbraucht. Der Trend weg von fossilen Kraftstoffen erhält dadurch mächtig Vorschub. Und das Stückzahlproblem löst sich wohl von selbst, wenn sich die Idee durchsetzt.

Interessenten kommen sogar aus Korea Batteriebus schauen. Wiesinger hält Vorträge bei Mobilitätskongressen in ganz Europa. Eine Ausdehnung des Konzepts auf größere Busse wird immer wahrscheinlicher. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 28.3.2014)

  • Die elektrischen City-Busse in Wien - hier am Michaelerplatz - wecken mittlerweile Interesse. Sogar in Korea.
    foto: wiener linien/johannes zinner

    Die elektrischen City-Busse in Wien - hier am Michaelerplatz - wecken mittlerweile Interesse. Sogar in Korea.

  • Innenstadtlinie 2A im Bereich Heldenplatz. Der Bus ist ein Italiener, der E-Antrieb kommt von Siemens, die Batterie aus China.
    foto: wiener linien/johannes zinner

    Innenstadtlinie 2A im Bereich Heldenplatz. Der Bus ist ein Italiener, der E-Antrieb kommt von Siemens, die Batterie aus China.

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