Iranische Jugend trinkt sich frei

27. März 2014, 09:03
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Alkohol ist in der Islamischen Republik offiziell verboten, Eigenproduktion und Schmuggel sichern die Versorgung

Teheran - Aus den Boxen dröhnt Rap-Musik, zuckendes Stroboskop-Licht verleiht dem Raum Disco-Atmosphäre. "Trink erst mal einen Tequila!", ruft der Gastgeber zur Begrüßung. Was in vielen Gesellschaften der Beginn eines normalen Samstagabends ist, ist hier - im Iran - eine Besonderheit.

Alkohol ist im schiitisch-dominierten muslimischen Land offiziell verboten. Hinter verschlossenen Türen wird aber vor allem in den reicheren Kreisen häufig getrunken. Shahriyar lade seine Freunde jedes Wochenende in die Luxuswohnung seines Vaters in Teheran ein, sagt seine Freundin Shima. "Wir trinken bis zum Morgen", erzählt sie Reuters per Videotelefon.

Alkoholparties

Öffentliche Nachtclubs gibt es im Iran nicht. Für die Jugendlichen sind häusliche Alkoholparties wie diese ein Weg, sich aus der Unterdrückung durch die strengen Richtlinien des Landes zu befreien. Beim Trinken vergesse man seine Probleme, sagt Shahriyar.

Die Herstellung von Wein hat im Iran eine lange Tradition. Wissenschafter gehen davon aus, dass bereits 5000 vor Christus auf dem heutigen iranischen Staatsgebiet Wein getrunken wurde. Der berühmte Shiraz-Wein aus dem südlichen Teil des Iran etwa soll durch die Kreuzritter seinen Weg nach Europa gefunden haben.

Wegen des Verbots versorgen sich heute viele Iraner selbst mit Alkohol. Hessam, ein 28-jähriger Musiklehrer aus Teheran, erzählt, dass er mit seinen Freunden regelmäßig in der Badewanne Weintrauben stampfe: "Es macht Spaß. Fast wie ein Reinigungsritual."

Der 35-jährige Sporttrainer Amin produziert professionell. In seinem 50 Quadratmeter großen Garten baut er Wein an, im Keller brennt er Spiritus. Wer selbst keinen Alkohol herstellt, ruft einfach einen Produzenten aus dem Bekanntenkreis an. Man müsse nicht mal das Haus verlassen, erklärt der Computeringenieur Reza. "Nasser, der Brauer, liefert es nach Hause, VIP Service."

Schmuggel

Neben der Eigenherstellung gelangt Alkohol auch durch Schmuggel ins Land. Es heißt, die Grenzwachen, die aus der Islamischen Revolution 1979 hervorgegangen sind, besäßen das Monopol in diesem Geschäft und würden jährlich rund zwölf Milliarden Dollar (etwa 8,7 Milliarden Euro) damit verdienen. Die Truppen wollten diese Beschuldigungen ihrer Gegner nicht kommentieren. Importiert wird vor allem aus der Türkei und dem kurdischen Teil des Iraks, aber auch Wodka aus Russland und Georgien.

Die Verfügbarkeit von Alkohol alarmiert die religiösen Führer des Landes. Viele von ihnen machen den Einfluss des Westens für die Entwicklung verantwortlich. Seitdem der als gemäßigt geltende Hassan Rohani das Präsidentenamt ausübt, hat die Zahl der Polizeirazzien zwar abgenommen. Das Verbot von Alkohol und die Bestrafung von Produktion oder Konsum werden aber aufrechterhalten.

Erste Entzugsklinik

Unabhängig von den Folgen des Alkoholkonsums für die Religion, verursacht das Trinken bekanntermaßen auch gesundheitliche Probleme. Iranischen Medien zufolge sind 200.000 der rund 76 Millionen Menschen im Land Alkoholiker. Andere Quellen gehen von einer noch höheren Zahl aus. Seit vergangenem Jahr gibt es in Teheran die erste Entzugsklinik des Landes. Blindheit oder sogar Tod können die Folge von amateurhaft hergestelltem Alkohol sein.

Viele Iraner scheinen diese Gefahren in Kauf nehmen zu wollen. Schließlich schrieb schon der persische Poet Hafez im 14. Jahrhundert: "Welche Trunkenheit ist das, die mir Hoffnung gibt?" (APA/Reuters, 27.3.2014)

  • Schmuggler an der iranisch-irakischen Grenze.
    foto: reuters/jamal penjweny

    Schmuggler an der iranisch-irakischen Grenze.

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