Araber treffen sich zum Gipfel des Dissenses

Analyse27. März 2014, 05:30
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Riss im Golfkooperationsrat über Ägypten, entfremdeter Irak, völlige Ratlosigkeit in Sachen Syrien

Der Gastgeber, Kuwaits Emir Sheikh Sabah, versuchte, gute Stimmung zu verbreiten, als er den saudischen Kronprinzen Salman und den katarischen Emir Tamim links und rechts von sich aufstellte. Dass der Gipfel der Arabischen Liga, der am Mittwoch in Kuwait zu Ende ging, ein Fest der arabischen Einigkeit gewesen wäre, würde dennoch niemand behaupten. Saudi-Arabien, Bahrain und die Arabischen Emirate hatten kürzlich ihre Botschafter aus Doha abgezogen: Katars muslimbruderfreundliche Politik schade den Interessen des Golfkooperationsrats.

Diesen neuen Riss unter den Arabern wird auch das gemeinsame Gruppenfoto nicht heilen. Der katarische Emir kritisierte in seiner Rede die - von Saudi-Arabien gestützte - ägyptische Führung, die ja massiv gegen die Bruderschaft vorgeht. Ägyptens Präsident Adly Mansur schwärmte unverdrossen vom Panarabismus.

In einer anderen Frage wird Saudi-Arabien dem Katari jedoch beipflichten: Er attackierte scharf die irakische Regierung, die "ganze Segmente ihrer Gesellschaft" marginalisiere. Damit sind die irakischen Sunniten gemeint, und der Beschuldigte war der schiitische Premier Nuri al-Maliki - der seinerseits vor kurzem ganz offen Saudi-Arabien als Sponsor von Terrorismus anklagte. Maliki hatte dabei Saudi-Arabiens Unterstützung für Islamisten im Sinn, die in Syrien gegen das Assad-Regime kämpfen - wobei radikale Jihadisten gleich auch noch einen Teil des Irak "befreien" wollen.

Der syrische Sitz bei der Arabischen Liga blieb leer - dem Oppositionsdachverband "National Coalition for Syrian Revolutionary and Opposition Forces" wird er weiterhin verweigert. Oppositionschef Ahmad al-Jarba hielt jedoch eine Rede. Sprechen durfte auch der Syrien-Vermittler der Uno, Lakhdar Brahimi: Er forderte summarisch die Anwesenden auf, Waffenlieferungen einzustellen, die den Krieg anheizen. Viel Erfolg dürfte ihm mit seinem Appell nicht beschieden sein: Zwar wurde im Schlusskommuniqué eine diplomatische Lösung für Syrien verlangt, Saudi-Arabiens Kronprinz forderte aber gleichzeitig auch, es müsse "die Balance auf dem Boden" geändert werden. Das wird soeben mit einer neuen Rebellenoffensive an der türkischen Grenze versucht.

Einig gegen jüdischen Staat

Einig waren sich die Araber hingegen in der Unterstützung der Palästinenserführung, die die Anerkennung Israels als jüdischer Staat - die sie als Aufgabe aller auch nur theoretischen Heimatrechte für Palästinenser ansieht - ablehnt. Dem dramatischen Moment, in dem sich die israelisch-palästinensischen Gespräche derzeit befinden, wird dies auch nicht wirklich gerecht. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 27.3.2014)

  • Kuwaits Emir Sheikh Sabah (Mitte) mit dem saudischen Kronprinzen Salman (rechts) und dem Emir von Katar, Sheikh Tamim (links). 
    foto: reuters/mcgehee

    Kuwaits Emir Sheikh Sabah (Mitte) mit dem saudischen Kronprinzen Salman (rechts) und dem Emir von Katar, Sheikh Tamim (links). 

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