Österreich zittert um Bankengarantien

26. März 2014, 18:42
431 Postings

In Russland und der Ukraine haben heimische Banken mithilfe staatlicher Haftungen expandiert. Das Risiko beläuft sich auf vier Milliarden

Wien - Der Krim-Konflikt wird zur Belastungsprobe für Österreich. Sollte die Situation eskalieren, könnten vom Staat übernommene Garantien für die Töchter heimischer Banken schlagend werden. Das Ausfuhrförderungsgesetz sieht nämlich keineswegs nur Haftungen für Exporte vor, sondern auch für Beteiligungen. Und diese wurden primär von den heimischen Kreditinstituten in Anspruch genommen.

Um welche Summen es geht, gibt die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB), die die Haftungen für die Republik abwickelt, nicht bekannt. Das Obligo insgesamt, also inklusive Exportstützungen, beläuft sich in Russland auf 3,1 Milliarden, in der Ukraine auf 995 Millionen Euro. Vor allem in der Ukraine, wo Raiffeisen mit der Bank Aval und Bank Austria stark vertreten sind, dürfte das Engagement der Republik für die Geldinstitute groß sein. Die Lage ist angesichts der Diskussionen über einen Schuldenschnitt besonders brenzlig. Laut Ratingagentur Moody's ist Raiffeisen mit 500 Millionen, Bank Austria mit 220 Mio. Euro in Staatspapieren investiert. Das gesamte Exposure der beiden Institute in der Ukraine beläuft sich auf acht Mrd. Euro.

Politisches Risiko

In Russland machen Aktivitäten von Unicredit und Raiffeisen Bank International 34 Milliarden Euro aus. Wie wichtig der Markt für RBI bisher war, zeigt, dass von 700 Millionen Euro Gewinn in den ersten drei Quartalen 2013 gut 500 Millionen aus den russischen Aktivitäten stammen. Am Donnerstag präsentiert das Institut seine Bilanz 2013. Analysten gehen von höheren Risikovorsorgen und möglicherweise auch frischem Kapitalbedarf der ukrainischen Tochter aus, deren Verkaufsprozess gestoppt wurde.

In der Kontrollbank wird darauf verwiesen, dass Haftungen bei Beteiligungen im Unterschied zu Exportgarantien nur bei politischem Risiko in die Ziehung kommen. Beispiele wären Verstaatlichungen oder Beschränkungen des Zahlungsverkehrs. Bei Ausfuhren trägt der Bund zudem noch das wirtschaftliche Risiko, ein Beispiel wäre die Insolvenz des Abnehmers von Lieferungen.

Russland scheint sich mit seiner Krim-Politik zusehends ins eigene Fleisch zu schneiden. Allein im ersten Quartal 2014 zogen internationale Investoren 70 Milliarden Dollar ab. Wenn der Konflikt eskalieren sollte, rechnet die Weltbank mit Kapitalabflüssen im Ausmaß von 150 Milliarden Dollar. Die Wirtschaftsleistung des Landes würde in diesem Szenario um 1,8 Prozent sinken, schätzt die Weltbank. Durch den Verfall des Rubels und die damit verbundene Verteuerung der Importe werde die Inflation auf 5,5 Prozent steigen. Die Weltbank listet die wichtigsten Gefahrenherde auf:

  • Kapitalzugang: Russischen Unternehmen, insbesondere großen Rohstoffgruppen, könnte die internationale Finanzierung verwehrt werden. Die Folge wäre eine Reduktion der Investitionen.
  • Banken: Restriktionen für russische Kreditinstitute an westlichen Finanzmärkten würden die Kreditvergabe am Heimmarkt beeinträchtigen. Die Rezession hätte Auswirkungen auf die Ertragslage der Unternehmen und somit auf das Kreditportfolio. Höhere Risikoprämien verteuern die Darlehen zusätzlich.
  • Auslandsinvestitionen: Das erhöhte Risiko würde die Investitionsbereitschaft internationaler Konzerne in Russland vermindern.
  • Währungsverfall: Die Abwertung des Rubels verteuert Finanzierung und Schuldendienst in Dollar oder Euro. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 27.3.2014)
  • Die begeisterten Putin-Anhänger in Moskau könnten negative wirtschaftliche Auswirkungen der aggressiven Kreml-Politik noch zu spüren bekommen.
    foto: ap/zemlianichenko

    Die begeisterten Putin-Anhänger in Moskau könnten negative wirtschaftliche Auswirkungen der aggressiven Kreml-Politik noch zu spüren bekommen.

Share if you care.