FC Bayern und Hoeneß: Zu viel der Huldigung

Kommentar26. März 2014, 19:21
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Bayern-Coach Pep Guardiola widmet den Meistertitel dem ehemaligen Präsidenten Uli Hoeneß

Pep Guardiola ist gewiss ein großartiger Fußballlehrer. Er ist Trainer des FC Bayern München – eine großartige Fußballmannschaft, die am Dienstagabend frühzeitig den deutschen Meistertitel fixierte. Spielern wie Trainer gebührt Ehre dafür. Aber Guardiola holte noch einen anderen Mann ins Boot. "Dieser Meistertitel ist für Uli. Er ist die wichtigste Person im Verein", sagte der Spanier. Eine äußerst fragwürdige Aussage. Guardiola widmet den Titel einem Straftäter: Uli Hoeneß. Der langjährige Manager und Präsident wurde vor zwei Wochen zu dreieinhalb Jahren Haft wegen der Hinterziehung von fast 30 Millionen Euro an Steuergeldern verurteilt. Der 62-jährige hat alle seine Ämter beim FC Bayern zurückgelegt. Und dieser Mann soll die wichtigste Person eines Vereins sein?

Guardiola war nicht der Erste, der dem Ex-Präsidenten nach seiner Verurteilung huldigte. Mittelfeldspieler Franck Ribéry etwa hatte Hoeneß als "Herz des Klubs" bezeichnet. Und Ehrenpräsident Franz Beckenbauer kann sich eine Rückkehr des 62-jährigen Wurstfabrikanten nach Absitzen seiner Haftstrafe zum FC Bayern grundsätzlich vorstellen. Nun hat Hoeneß gewiss viel für den Verein getan. Aber jetzt ist er ein verurteilter Straftäter. Die Verantwortlichen beim FC Bayern scheinen diese Tatsache zu ignorieren. Eine so professionell geführte Mannschaft wird auch ohne Hoeneß erfolgreich sein können. Dafür muss sie ihn aber erst einmal Geschichte sein lassen. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 27.3.2014)

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