Ditech-Insolvenz: Elektrohandel in der Krise

26. März 2014, 18:03
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Leere Filialen, Kündigungswellen und genervte Kunden: Die Branche steht unter Druck

Leere Filialen, Kündigungswellen und genervte Kunden, die keine Ware erhalten oder ihre Gutscheine nicht einlösen können: Was 2010 bei der Cosmos-Kette und 2013 bei Niedermeyer passierte, könnte demnächst auch beim Computerfachhändler Ditech Realität werden, der am Montag Insolvenz anmelden musste.

"Wo der Kunde keine Dienstleistung braucht, ist der Onlinehandel"

Dabei geht es dem "Maschinenhandel", wie die Branche in der Wirtschaftskammer bezeichnet wird, insgesamt gar nicht so schlecht. Das sagt zumindest Spartenobmann Ulrich Fuchs, der allerdings viele unterschiedliche Firmen vertritt. "Solange Dienstleistung und Hardware in Form eines Systemhauses angeboten werden, gibt es keine Probleme", so Fuchs. Im Bereich des reinen Hardwareverkaufs werde es allerdings schon schwieriger. "Wo der Kunde keine Dienstleistung braucht, dort ist der Onlinehandel", sagt Fuchs. Dann rentierten sich auch kompetente Mitarbeiter nicht mehr, "wie man beispielsweise bei Mediamarkt sieht".

Laut Fuchs sind es vor allem Tablets und Smartphones, die konventionellen Computerhändlern zusetzten. Eine Analyse, der auch Experten wie Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform zustimmen. Die steigende Popularität der mobilen Geräte bringe einige Probleme mit sich: Die Margen für Händler sind deutlich geringer als bei Desktop-PCs oder Laptops. Zusätzlich braucht es oftmals keine Beratung vor Ort, um das gewünschte Smartphone auszuwählen. Insgesamt hat der Elektrohandel laut KMU Forschung Austria 2013 einen Umsatzrückgang von 2,6 Prozent erlitten. Gründe dafür seien auch sinkende Preise und ein harter Wettbewerb. "Eine weitere Herausforderung stellen Preisvergleichsseiten dar", so die Forscher.

Selbst online handeln

Einige Firmen versuchen, die Verluste an den Onlinehandel durch eigene Onlineportale einzudämmen. So erwarb die Media-Saturn-Holding im März 2011 den Onlinehändler Redcoon um 125 Millionen Euro. Das Unternehmen war acht Jahre zuvor von einem ehemaligen Mediamarkt-Manager gegründet worden und hatte etablierten Ketten immer weiter zugesetzt. Saturn und Mediamarkt hatten indes erfolglos versucht, selbst Onlineportale aufzubauen. Heute sieht man bei Saturn, Österreichs zweitgrößtem Elektrohändler, "die Verknüpfung beider Welten - stationär wie online" - als "wesentlich für den künftigen Erfolg unserer Unternehmensgruppe".

Ditech habe hingegen erst sehr spät auf den Onlinehandel reagiert, erklärt Weinhofer. Das könnte die Probleme verschärft haben. Der zweite Knackpunkt liegt in der schnellen Expansion. Schon Cosmos und Niedermeyer hatte ein zu großes Filialnetz das Genick gebrochen, bei Ditech spreche auch das Geschäftsmodell dagegen. Weinhofer: "Wenn ich hohe Kompetenz und Service biete, stellt sich die Frage, ob ich das auf so vielen Standorten tun muss."

Persönliche Beratung

In gewissen Fällen kann die persönliche Beratung sehr wohl ein Mittel gegen den Onlinehandel sein, allerdings profitierten davon eher kleine Händler. Weinhofer nennt etwa den Leica-Shop bei der Galerie Westlicht im siebten Wiener Gemeindebezirk als Beispiel. Dieser hat sich auf hochqualitative Kameras spezialisiert, weswegen Kunden durchaus einen weiten Anfahrtsweg auf sich nähmen, um in den Genuss einer persönlichen Beratung zu kommen. Massentauglich sei dieses Modell jedoch nicht.

Dem entgegen steht das Konzept von McWorld. Der Apple-Händler betreibt momentan 18 Shops, darunter auch die McShark-Filialen. Für McWorld ist "schneller und zuverlässiger Service absolut entscheidend, um sich langfristig in der Branche zu positionieren." Apple-Reseller gelten allgemein als relativ robust, da iPhones und iPads eine zusätzliche Einnahmequelle darstellen.

Ditech: Verhandlungen mit Investor

Die Zukunft von Ditech wird sich indes in den nächsten Tagen entscheiden. Momentan laufen Verhandlungen mit einem österreichischen Investor, der anonym bleiben möchte. Aus dem Kreis der Lieferanten heißt es, dass man Ditech voll unterstützen und auch weiterhin beliefern werde. Leere Filialen dürften Ditech-Gründer Damian Izdebski also zumindest vorerst erspart bleiben. (Fabian Schmid, DER STANDARD, 27.3.2014)

  • Onlineversandhandel und sinkende Margen setzen Elektrohändler unter Druck. Vor der Insolvenz versuchte Niedermeyer, mit "Internetpreisen" Kunden anzulocken, und scheiterte.
    foto: apa/pfarrhofer

    Onlineversandhandel und sinkende Margen setzen Elektrohändler unter Druck. Vor der Insolvenz versuchte Niedermeyer, mit "Internetpreisen" Kunden anzulocken, und scheiterte.

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