"Frohes Schaffen": Arbeit als Opium fürs Volk?

Rezension26. März 2014, 17:53
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"Frohes Schaffen" inszeniert sich als "Film zur Senkung der Arbeitsmoral". Ein Wohlfühlfilm ohne Tiefgang

Weiße, privilegierte Männer erklären, warum die Lohnarbeit überholt ist und warum wir uns stattdessen lieber dem Gärtnern und dem Müßiggang widmen sollten: So könnte man den Film "Frohes Schaffen" von Konstantin Faigle zusammenfassen. Weder wird Arbeit im Film unmissverständlich definiert, noch wird in der Folge zwischen Arbeit und Lohnarbeit unterschieden. Es fehlen unerlässliche feministische und marxistische Perspektiven auf das Phänomen Arbeit, auf wissenschaftliche Erkenntnisse warten die Zuseher ebenfalls vergeblich. Die Doku konzentriert sich lieber auf das Sinnieren selbsternannter Arbeitsphilosophen aus luxuriösen Wohnungen und repräsentativen Büros darüber, wie fehlgeleitet unser "Arbeitskult" sei.

"Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral"

Die Entstehungsgeschichte der Arbeit sowie die gesamte Kulturhistorie des Begriffs im kommunistisch-sozialistischen Zusammenhang spielt keine Rolle. Der Film spricht aus einer tief deutsch-evangelischen Position; Marx wird nur zitiert, um ihm in waghalsigen logischen Wendungen zu widersprechen. Die Verherrlichung eines "Urzustandes" der Menschheit ohne den Zwang, zu arbeiten, nimmt inszenierungstechnisch teilweise absurde Ausmaße an, mit tendenziösen Stimmungsmachern geizt Faigle ebenfalls nicht: So donnert und blitzt es während manchen Wortmeldungen, damit wir als Zusehende auch ja wissen, wer die Bösen sind.

"Frohes Schaffen" reißt viele Themen und Aspekte an, ohne sich ernsthaft mit ihnen auseinandersetzen zu wollen. Es handelt sich um ein Kuddelmuddel von Aussagen, in die auch die klischeehaften fiktionalen Beispielsschicksale keine Struktur bringen können. Der Eindruck, den der Film hinterlässt und gleichzeitig die Botschaft an die Zusehenden: die gehobene Mittelschicht hat Stress und Zwang satt und sucht daher nach Alternativen. Ein pseudo-tiefgründiger Wohlfühlfilm für arbeitsgeplagte Bobos, also. (Olja Alvir, daStandard.at, 26.3.2014)

"Frohes Schaffen" von Konstantin Faigle läuft täglich noch bis 31. März im Top Kino in Wien.

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