Auf der Jagd nach Autoren

26. März 2014, 17:03
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Crowdsourcing als literarisches Krimi-Experiment

Wien - Fix ist eine Leiche, ein verkorkster Kommissar und der Titel des Romans: Inspektor Falkner - die restlichen Seiten des Krimis sind größtenteils unbeschrieben. Mit den wenigen Vorgaben soll ein literarisches Experiment von einer kollektiven Autorschaft vollendet werden. Gesucht werden mutige Gastautoren, die das Gerüst zum Roman ausbauen.

Sylvia König und Evelyn Höllrigl aus Wien, die eine Raumplanerin, die andere freie Journalistin, sind die Initiatorinnen des Krimiblog-Projekts, dessen Ziel es ist, gemeinschaftlich einen österreichischen Roman mit Schmäh, Grusel und Spannung zu erschaffen. Sie setzen dabei auf den Ideenreichtum von sowohl erfahrenen als auch jungen Autoren, die anhand vorgegebener Wortlisten je ein Unterkapitel im Umfang von 500 bis 5000 Zeichen schreiben.

Sommersprosse, Hirschkopf oder Klebeband lauten etwa die Begriffe, die in die jeweiligen Abschnitte eingebaut werden sollen. Wann ein Kapitel beendet und ein neues begonnen wird, entscheiden allerdings die Projektleiterinnen. Möchten diese ins Geschehen eingreifen, schlüpfen sie zeitweise in die Rolle zweier nicht näher etablierter Bekannter, die sich im niederösterreichischen Dialekt ("Host ghert?") über den Fall austauschen und die Geschichte so lenken.

Gefragt sind jedoch nicht nur kreative Schreiberlinge, auch Illustratoren haben die Möglichkeit an dem literarischen Projekt mitzuwirken, denn ein Aussehen wurde bisher nur Inspektor Falkner verliehen. Offen ist noch die Frage, wie man sich das Antlitz von Oberst Konstantin Krickel und die Erscheinung der neugierigen Tratschtante Luisa Lunte vorstellen muss. Dass die Namen der charmanten Charaktere in der Jägersprache besondere Bedeutung besitzen - "Krickel" nach dem Horn der Gämse oder Lunte wie der Fuchsschwanz - ist dem Schauplatz Berghofen, einem real nicht existierenden Ort in ländlicher Gegend geschuldet.

Im ersten Kapitel Wos liegt, des pickt erfährt man bereits von der Nikotinsucht des Herrn Falkner, von seiner neugierigen Nachbarin, die ihn stets am Gartenzaun abzupassen weiß, und vom Umstand, dass seine Kollegen ihm den Fall nicht zutrauen. Warum er sich dann aber doch der weiblichen Leiche mit dem blonden Haar und der entblößten Brust widmen darf, das gilt es zu erarbeiten.

"Das Experiment soll es auch jungen Schreibern ermöglichen, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Wir stellen Plot, Charaktere und einen Anfang, was danach kommt, liegt an den Autoren." Einige haben sich bereits gefunden, und so kann der bisher noch etwas steife Blogroman hoffentlich stetig an Spannung zulegen. (Grit Breitmann, DER STANDARD, 27.3.2014)

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