Wenn Museumsobjekte zur Gefahr für die Gesundheit werden

26. März 2014, 14:05
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Wiener Symposium widmet sich der Frage, ob es sich lohnt, mit Giftstoffen belastete Exponate zu erhalten

Wien - Am Technischen Museum Wien (TMW) widmet sich ab Donnerstag (27.3.) ein dreitägiges Symposium den "Gefahrstoffen in Museumsobjekten" und stellt dabei die Frage "Erhalt oder Entsorgung?" Die Bandbreite gesundheitlich bedenklicher Stoffe reicht von Asbest und Quecksilber bis hin zu radioaktiven Materialien.

In Österreich "stark betroffen sind unter anderem historische Chemikalien- und Medikamentensammlungen oder technische Objekte mit Asbest- und Quecksilberbestandteilen", erklärte Valentina Ljubic Tobisch, Bereichsleiterin für Konservierung und Restaurierung im TMW und eine der Organisatorinnen des Symposiums. Zusätzlich gibt es "eine beachtliche Menge organischer Materialien" in Museen, etwa ausgestopfte Tiere, die in der Vergangenheit mit Schädlingsbekämpfungsmittel behandelt wurden.

Gefürchtetes Asbest

Ein Beispiel für museale Gefahrstoffe ist Asbest: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Bau- und Dämmstoff als Universalmittel benutzt und bis 1990 sogar in Schutzbekleidung, Klimaanlagen, Beschichtungen, Brandschutzvorrichtungen, etc. verarbeitet. Erst spät wurden die schädlichen Auswirkung auf den menschlichen Körper festgestellt.

Aus den Beständen des Technischen Museum wird beim Symposium etwa eine Atemschutzmaske aus Asbestgewebe gezeigt, die um 1930 noch bei der Feuerwehr verwendet wurde. Für Museumsbesucher stellen solche Objekte keine Gefahr dar, versichert Ljubic Tobisch. Für die Museumsmitarbeiter wurde aber eine eigene Asbestkammer eingerichtet, die für einen ungefährlichen Umgang bei Sanierungs- und Konservierungsmaßnahmen von asbesthaltigen Museumsobjekten sorgen soll.

Frage des Aufwands

Das Technische Museum besitzt weiters mehrere tausend Objekte, die aus der chemischen Industrie stammen. Für eine Schausammlung erhielt das Haus zwischen 1910 und 1917 zahlreiche Objektspenden von in- und ausländischen Betrieben mit Rohstoffen und Erzeugnissen aus der chemischen Produktion.

Der Denkmalschutz und Erhalt der teils seltenen Sammlungsstücke stehe grundsätzlich an vorderster Stelle, ohne die gesundheitlichen Faktoren außer Acht zu lassen, so Ljubic Tobisch. Es würde für die notwendigen Vorrichtungen gesorgt, damit weder für Mitarbeiter, noch für Besucher eine Gefahr bestehe. "Bei unverhältnismäßig großem Aufwand zur sicheren Handhabung und Aufbewahrung von Museumsobjekten", würde es sich in manchen Fällen trotz allem nicht vermeiden lassen, einzelne Objekte aus dem Bestand zu entfernen. Dieser Prozess sei aber sehr langwierig und könne auch nicht ohneweiteres vom Museum selbst entschieden werden.

Bei dem in Kooperation mit der Unfallversicherungsanstalt AUVA und dem Österreichischen Restauratorenverband veranstalteten Symposium widmen sich Experten Fragen über den richtigen Umgang und Lösungsansätze für diese Objekte und den versteckten Gefahren. Neben heimischen Spezialisten sprechen auch internationale Experten über ihre Erfahrungen in der Praxis. Darunter sind u.a. Susanne Rehn-Taube vom Deutschen Museum München, die über Quecksilber, Arsen und Radium spricht, sowie Barbara Reeve vom Australian War Memorial, die von ihrer Arbeit und dem Umgang mit radioaktiven Gegenständen berichtet. (APA/red, derStandard.at, 26. 3. 2014)


 Symposium "Gefahrstoffe in Museumsobjekten - Erhaltung oder Entsorgung?", 27. bis 29. März, Technisches Museum Wien, Mariahilfer Straße 121, 1140 Wien; die Teilnahme ist anmelde- und gebührenpflichtig.

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