Libyens abgesetzter Premier bedauert, dass es keine Invasion gab

26. März 2014, 14:13
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Ali Zeidan: Westen hätte Truppen schicken sollen, Terroristen könnten Libyen als Basis nutzen

Der Anfang März abgesetzte libysche Regierungschef Ali Zeidan hat in Interviews mit dem US-Fernsehsender CNN und der britischen "Times" die Ansicht geäußert, westliche Staaten hätten nach dem Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi Truppen in dem nordafrikanischen Land stationieren sollen.

Ausländische Militärpräsenz würde helfen, die Sicherheitslage zu verbessern, und würde wohl auch von der Bevölkerung akzeptiert werden, wenn diese auf einem UNO-Mandat beruhe, so Zeidan.

Der Premierminister war am 11. März vom Parlament per Misstrauensvotum abgesetzt worden, ist aber der Ansicht, er sei weiter im Amt, und kündigte eine baldige Rückkehr nach Libyen an. Er könne auf die Unterstützung eines Teils der Armee zählen, der ihn schützen werde, und auch die Bevölkerung stehe teilweise hinter ihm.

Gaddafi-Sohn gefoltert

Im "Times"-Interview berichtet Zeidan, dass Saadi al-Gaddafi, der Sohn des gestürzten Diktators, der Anfang März vom Niger an Libyen ausgeliefert wurde, im Gefängnis misshandelt und gefoltert worden sei. Er persönlich bedauere diese Übergriffe, habe aber Verständnis für die Täter, die zu Gaddafis Zeiten selbst inhaftiert gewesen seien und sich nun rächen wollten.

Warnung vor Afghanistan-Szenario

Zeidan warnt davor, dass Libyen Terroristen als Basis dienen könnte, um Anschläge in Italien, Frankreich, Spanien, Großbritannien oder Marokko zu verüben. "Überall gibt es Waffen und Munition", Gruppen wie die Muslimbruderschaft wollten nicht, dass Libyen ein Rechtsstaat sei, sondern strebten Entwicklungen wie in Afghanistan an, so Zeidan.

Cyrenaika-Abspaltung droht

Libyens Regierung kämpft  zweieinhalb Jahre nach Gaddafis Sturz mit separatischen Gruppen: Der Milizenführer Ibrahim Jadran kontrolliert weite Gebiete und mehrere Ölverladeterminals im Osten des Landes. Jadran verlangt Autonomie für die Region, die er mit ihrem römischen Namen "Cyrenaika" bezeichnet. Eine Abspaltung Ostlibyens ähnlich jener der Halbinsel Krim von der Ukraine schloss Zeidan im CNN-Gespräch aus: "Das wird nicht geschehen."

Benghazi: Bis heute keine Festnahmen

Auf die Ermordung des US-Botschafters Christopher Stevens in Benghazi angesprochen meinte Zeidan, solche Ereignisse zeigten die Schwäche des libyschen Sicherheits- und Geheimdienstapparats, der nach der Revolution zerstört worden sei. Bis heute wurde niemand wegen des Angriffs auf das US-Konsulat verhaftet. (bed, derStandard.at, 26.3.2014)

  • Ali Zeidan sieht sich weiter als Regierungschef Libyens und will bald zurückkehren.
    foto: reuters/ismail zitouny

    Ali Zeidan sieht sich weiter als Regierungschef Libyens und will bald zurückkehren.

  • Diese am 6. März veröffentlichte Aufnahme zeigt Saadi al-Gaddafi nach seiner Ankunft in Tripolis.
    foto: epa/libyan prison authority

    Diese am 6. März veröffentlichte Aufnahme zeigt Saadi al-Gaddafi nach seiner Ankunft in Tripolis.

  • Nicht die libysche Armee: Fahrzeuge des "Militärrats der autonomen Region Cyrenaika" bei Sirte, 14. März 2014.
    foto: reuters

    Nicht die libysche Armee: Fahrzeuge des "Militärrats der autonomen Region Cyrenaika" bei Sirte, 14. März 2014.

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