Gratis-WLAN und Strom im öffentlichen Raum

27. März 2014, 15:59
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Ein Kunstprojekt in Dortmund setzt sich mit erneuerbarer Energie und Kunst im öffentlichen Raum auseinander - und bietet Stadtbummlern eine Gratis-Ladestation

Ein Stein. Mitten in der Stadt. Hässlich, störend und nutzlos - sollte man meinen. Das Kunstprojekt "Stein mit Vollausstattung" der Künstler Stian Ådlandsvik (Norwegen), Lutz-Rainer Müller, Mark Pepper und Thomas Woll (alle Deutschland), das in Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Kunstverein entstanden ist, macht den grauen Felsbrocken inmitten einer belebten Geschäftsstraße im Stadtzentrum von Dortmund zu einem Sammelpunkt für Spaziergänger, Radfahrer und Menschen mit leeren Handyakkus.

"Die Grundidee zur Skulptur war die Kombination aus einem archaischen, schweren Stein und moderner Technik. An sich sehen wir den Stein als Gegenpol zur Architektur der Stadt: Er wirkt nicht geplant, nimmt viel Platz ein - ist also unpraktisch - und er ist ein Symbol der Natur", erklärt Lutz-Rainer Müller die Idee hinter dem Stein. Mit dem Objekt würde Natur simuliert und könne, als Abbild von Natur, Aufschluss über die Auffassung von Natur geben.


Ein Sammelplatz für Stadtbummler und Menschen mit leeren Akkus: der "Stein mit Vollausstattung" im Zentrum von Dortmund. Foto: Peyman Azhari

Der Begriff "Vollausstattung" ist der Werbung und der Automobilindustrie entlehnt und steht für die vielen, in Autos verbauten Extras. "Auf die Skulptur bezogen sahen wir hier ein Paradox zwischen einem plumpen, unbeweglichen Stein und den von uns hinzugefügten 'Features'. Der öffentliche Raum wird heute massiv für Werbezwecke genutzt, der Titel ist auch eine Referenz dazu", so Müller.

Bei dem Projekt handelt es sich um den Versuch, im Zentrum des urbanen Raums nachhaltig Energie zu erzeugen und zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls kostenlos gibt es WLAN sowie Auflademöglichkeiten für E-Bikes. "Das eigentlich Natürliche an dem Stein sind die Ressourcen Wind und Sonne, die in Strom umgewandelt und kostenlos zur Verfügung gestellt werden", so Müller. Die Skulptur sei eine Art unabhängige Insel aus Beton.


In einem integrierten Schließfach können Dinge sicher verstaut werden, während man zum Beispiel Einkaufen geht. Foto: Peyman Azhari

Mit dem "vollausgestatteten" Stein soll so die Diskussion um erneuerbare Energien angeregt werden, er soll aber auch dazu anregen, über die Nutzung des öffentlichen Raumes nachzudenken. "Die Skulptur soll als markanter Treffpunkt genutzt werden und damit als Ort für Kommunikation dienen. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, ins Internet zu gehen oder sein Telefon aufzuladen", erklärt Müller die Funktion des Steins.

Mit der Skulptur sollen verschiedene Fragen miteinander verbunden werden. Was ist öffentlicher Raum und was könnte Kunst dem öffentlichen Raum hinzufügen. Was hätten Menschen gerne zur Verfügung, während sie sich im öffentlichen Raum befinden und wie könnte man diese Bedürfnisse nutzen, um eine Kommunikationsplattform zu schaffen, die auf unterschiedliche Weise genutzt werden kann.


Eine Insel in der Großstadt, wo verschiedene Menschen und unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, soll der Stein sein. Foto: Peyman Azhari

Bei einer Umfrage, die im Rahmen des Projektes stattfinden, zeigt sich sehr deutlich, was Menschen vom öffentlichen Raum erwarten. Der Großteil ist überzeugt davon, dass er für alle zur Verfügung stehen und dass freies WLAN verfügbar sein sollte. Weiters sollte der öffentliche Raum vor allem ein Treffpunkt sein, kein Interesse besteht für die Option "Shopping-Erlebnis". Und Kunst im öffentlichen Raum sollte vor allen Dingen interessant sein, zumindest aber funktional und schön.

Müller selber nutzt den öffentlichen Raum vielfältig: "Freunde treffen, ziellos herumwandern und spazierengehen, Straßen und Schienen befahren, einkaufen, Gassi gehen, tanzen, feiern, schnellfahren".

Wie lange das Objekt in Dortmund zu sehen sein wird, ist noch ungewiss, zumindest aber für eineinhalb Jahre. Abhängig ist der Verbleib davon, wie sich die weitere Planung der Fußgängerzone entwickelt. Die Einweihung des Steins findet am 5. April von 15 bis 18 Uhr statt.

Realisiert wurde das Projekt unter anderem durch Crowdfunding via startnext, wo sich Interessierte mit Geldbeträgen in unterschiedlicher Höhe an der Umsetzung beteiligen konnten.

 

Stein mit Vollausstattung, Dortmund / Innenstadt - freies Energieprojekt im urbanen Raum from Dortmunder-Kunstverein on Vimeo.

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