Flug MH370: Mehr als 120 mögliche Wrackteile gesichtet

26. März 2014, 06:48
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Neue Luftaufnahmen an australische Behörden übergeben - Wetterverbesserung erlaubte Fortsetzung der Operation - Lob von Österreichs Botschafter in Kuala Lumpur für Malaysia

Perth/Kuala Lumpur/Peking - Neue Satellitenbilder haben die Hoffnung geweckt, bald Wrackteile der verunglückten Malaysia-Airlines-Maschine zu finden. Die Aufnahmen zeigten im Indischen Ozean ein Trümmerfeld mit 122 möglichen Flugzeugteilen, sagte der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein am Mittwoch. Es sei die bisher glaubwürdigste Spur.

"Wir müssen betonen, dass wir nicht wissen, ob diese Objekte zu Flug MH370 gehörten", sagte er. Noch ist keines der möglichen Bruchstücke gefunden worden. Australiens Premierminister ließ durchblicken, dass die Suche nicht ewig fortgesetzt werden kann. Chinas Regierungschef sagte dagegen, es würden keine Mühen gescheut.

Nach Ansicht von Forschern wird es wegen der Strömungen in dem Seegebiet immer schwieriger, die Absturzstelle noch zu finden. Nach Angaben Husseins sind einige Teile auf den neuen Satellitenbildern der Airbustochter "Airbus Defence and Space" bis zu 23 Meter lang. Die Aufnahmen stammten vom vergangenen Sonntag und zeigten die Region, in der bereits mit Flugzeugen und Schiffen gesucht wird: etwa 2.500 Kilometer südwestlich von Perth in Australien. Die Maschine mit 239 Menschen an Bord, die meisten von ihnen Chinesen, ist seit dem 8. März verschwunden.

Frühere Objekte nicht wieder entdeckt

Die auf früheren Satellitenaufnahmen entdeckten Objekte wurden bisher nicht entdeckt. Die Suche ging am Mittwoch nach einer 24-stündigen Unterbrechung wegen schlechten Wetters weiter. Zwölf Flugzeuge und zwei Schiffe - der chinesische Eisbrecher "Xue Long" und das australische Versorgungsschiff "HMAS Success" - sind im Einsatz, ihre Besatzungen konnten aber weiter keine möglichen Wrackteile ausmachen.

Australien kann die Suche nach den Worten von Regierungschef Tony Abbott nicht ewig fortsetzen. "Wir suchen weiter, weil wir es den Menschen schuldig sind, alles zu tun, um dieses Rätsel zu lösen", sagte Abbott am Mittwoch im Parlament. "(Die Suche) ist nicht völlig unbefristet, aber dies ist nicht etwas, was wir leicht aufgeben würden." Der Einsatz eines einzigen Aufklärungsflugzeugs kostet nach Schätzungen mehr als 60.000 Euro am Tag.

Die genaue Absturzstelle zu finden, hat weiter höchste Priorität. Dort müsste der Rumpf der Maschine auf dem Meeresboden liegen, mit den beiden Blackboxen. Die Ermittler erhoffen sich davon Aufschluss über die Ursache des Irrflugs. Sie war nach dem Start in Kuala Lumpur vom Kurs nach Peking abgewichen und ohne funktionierende Kommunikationssysteme bis zu acht Stunden - so lange, wie der Treibstoff reichte - Richtung Süden geflogen. Warum ist unklar.

Druck aus China

China machte erneut Druck auf Malaysia, präzise Auskünfte zu den Ermittlungen zu geben. Auf einer Kabinettssitzung betonte Regierungschef Li Keqiang nach Angaben der Staatsmedien vom Mittwoch, dass keine Mühen gescheut würden, um das Flugzeug zu finden. Malaysia solle die Suchaktion weiter koordinieren und die chinesischen Experten in die Ermittlungen einbeziehen, hieß es. China hatte sich immer wieder unzufrieden über die Informationspolitik Malaysias gezeigt.

Unterdessen hat Österreichs Botschafter in Kuala Lumpur, Christophe Ceska, nach einem Online-Bericht der malaysischen Zeitung "The Sun Daily" vom Mittwoch die Bemühungen Malaysias und anderer Staaten im Umgang mit der verschwundenen Maschine gelobt. Ceska habe bei einem Gespräch den Sprecher des Unterhauses des malaysischen Parlaments, Tan Sri Pandika Amin Mulia darüber informiert, dass die Regierung in Wien mit den Maßnahmen zufrieden sei, die die malaysische Administration in Zusammenarbeit mit anderen Staaten ergriffen habe, sagte dieser gegenüber dem Blatt. 

Klagsdrohung

Boeing und Malaysia Airlines droht indessen eine Klage von Angehörigen der Passagiere des seit fast drei Wochen in Asien verschollenen Flugzeugs. Hintergrund sei die Vermutung, dass die Maschine wegen eines technischen Fehlers abgestürzt sei, erklärte die US-Kanzlei Ribbeck.

Die Anwälte aus Chicago gingen davon aus, bei einer Klage in den USA voraussichtlich die Familien von mehr als der Hälfte der Passagiere zu vertreten. Vor einem Gericht im Bundesstaat Illinois sei bereits ein Antrag gestellt worden, um mögliche Konstruktions- oder Herstellungsmängel der Boeing 777 feststellen zu können. Eine Klage solle in Kürze folgen. Neben Entschädigung in Millionenhöhe für die Hinterbliebenen soll von Boeing auch eine Überarbeitung der gesamten 777er-Flotte gefordert werden.

Die Kanzlei vermutet als Grund für das Verschwinden, dass Pilot und Co-Pilot ohnmächtig geworden seien. Ursache seien möglicherweise entweder ein Brand wegen eines technischen Defekts oder ein Druckabfall in der Kabine nach einem Schaden am Flugzeug, erläuterten die Anwälte. "Bis ihm der Treibstoff ausging, war das Flugzeug für mehrere Stunden als Geisterflugzeug unterwegs", sagte Ribbeck-Juristin Monica Kelly. Boeing wollte sich nicht dazu äußern. Malaysia Airlines war zunächst nicht zu erreichen. Die Boeing der Fluggesellschaft mit 239 Menschen an Bord war am 8. März auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking kurz nach dem Start vom Radar verschwunden. Die Ursache ist noch immer unklar. Mittlerweile wird vermutet, dass sie in den Indischen Ozean stürzte und dabei alle Insassen ums Leben kamen.

Mögliche Schadenersatzzahlungen an die Angehörigen könnte die Fluggesellschaft Malaysia Airlines Experten zufolge in Schwierigkeiten bringen. Seit drei Jahren verdient die Fluggesellschaft zu wenig Geld, um die Kosten zu decken. Eine Zusatzbelastung könnte demnach Staatshilfen notwendig machen. (APA, 26.3.2014)

  • Verkehrsminister Hishammuddin Hussein zeigt die Aufnahmen bei einer Pressekonferenz.
    foto: reuters/athit perawongmetha

    Verkehrsminister Hishammuddin Hussein zeigt die Aufnahmen bei einer Pressekonferenz.

  • Die am Mittwoch veröffentlichten Satellitenaufnahmen.
    foto: apa/epa/azhar rahim

    Die am Mittwoch veröffentlichten Satellitenaufnahmen.

  • Die neue Fundgegend liegt zwischen den Punkten, an denen Aufklärungsflugzeuge aus China und Australien bereits vor einigen Tagen mögliche Trümmer gesichtet haben.
    foto: apa/epa/azhar rahim

    Die neue Fundgegend liegt zwischen den Punkten, an denen Aufklärungsflugzeuge aus China und Australien bereits vor einigen Tagen mögliche Trümmer gesichtet haben.

  • Es sind weiterhin Suchflugzeuge am Himmel.
    foto: apa, epa/lac oliver carter / dod

    Es sind weiterhin Suchflugzeuge am Himmel.

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