In den Boden der Realität: Raumplanung im Garten

Kolumne2. April 2014, 08:37
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Jetzt kommt die Gemüsesaat ins Beet - vorausgesetzt, der Platz ist nicht schon besetzt. Gregor Fauma über gute Raumplanung im Garten

Erholsam theoretisch war die Zeit zwischen Wintersonnwende und den Iden des März. Denn Garteln ist Kino im Kopf. Davon leben Verlagshäuser gut, Buchhändler so lala und Autorinnen schlecht. Sie alle bedienen das Bedürfnis nach neuen Ideen und neuen Bildern von neu anzulegenden Beeten mit noch nie zuvor gepflegten Pflanzen. Vage Konzepte werden in Gedanken konkret, alte Rabatten gedanklich gerodet und neue Flächen theoretisch abgesteckt. Doch jetzt ist März, jetzt ist Schluss mit Herumspintisieren.

Platz schaffen

Verloren steht der Gartler nun in seinem Garten. Er kann beim besten Willen die freie Fläche nicht ausmachen, die er für sein neues Beet braucht. Wer soll also hinausfliegen? Der zu groß gewordene Fliederbusch? Wäre schade um die Blüte. Die Tulpen und Narzissen? Niemals! Oder doch der Lavendel, der farbliche Opulenz vermissen lässt? Man könnte natürlich auch die Rosen von hier nach da setzen, die Johannisbeere auswagonieren und die riesige Funkie hinüberbringen zum Komposthaufen - es hilft aber alles nichts: Das Wesen eines Gartens ist, zu klein zu sein.

Mit festem Vorsatz und sicherer Hand fliegen dieses Jahr die Schafgarben hinaus. Sie brauchen unten zu viel Platz, blühen oben zu dürftig, duften nicht und reizen die Haut. Anstelle der Schafgarben sollen bittere, scharfe und süße Gemüse gedeihen. Und weil diverse Bauernregeln für den März das Säen von Kresse, Erbsen und Radieschen nahelegen, wird hier ein ebensolches Beet entstehen. Zusätzlich sollen dort noch Kopfsalate ihre Kindheit erleben und Kerbel nebst Gewürzfenchel ein wenig sommerliche Leichtigkeit bescheren.

Zusätzlich zur Verplanung horizontaler Flächen entwickelten sich in den Iden des März Ideen des Gartlers zu vertikalen Blütenräuschen: Clematis, Campsis radicans und Cobaea scandens, also Waldreben, Klettertrompeten und Glockenreben sollen dort Farbe und Fröhlichkeit verbreiten, wo Erdreich keinen Halt mehr findet. Mögen diese an Wänden, Pergolen und Spalieren als Kletterpflanzen ihren Dienst versehen.

Weihnachten für Meisen

Doch der Gartler hat noch etwas ganz Spezielles für die Kletterer vorbereitet: Er hatte den Weihnachtsbaum nicht entsorgt, sondern einfach gestutzt, entnadelt und zu einem mit Meisenknödeln behangenen Futterbaum für die Vogerln im Winter umfunktioniert. Und nun wird er zum Kletterbaum für Clematis, Campsis und Cobaea erkoren.

Ein Baum, drei Dienste - Gartler, was willst du mehr? Mehr Platz, natürlich - und deshalb gibt es zusätzlich zu Beeten am Boden und Blüten an Wänden auch noch die schwebenden Töpfe an Decken und Plafonds. Von dort hängen Blumen wie Petunien, Geranien und Lobelien herunter und geben dem Garten seine dritte Dimension. Wer das alles pflegen soll? Diese Frage stellt sich nicht im Rausch des März.

Jetzt kommt die Gemüsesaat ins Beet - vorausgesetzt, der Platz ist nicht schon besetzt. Gregor Fauma über gute Raumplanung im Garten. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 28.3.2014)

Wissen: Tipps zum Beet

Legen Sie Trittsteine aus, sie ersparen Ihnen Ärger über zusammengetrampelte Pflanzen und halten das Erdreich locker. Arbeiten Sie gereiften Kompost in dünner Schicht in die Beete, damit Keimlinge in den kommenden Wochen ein sättigendes Substrat vorfinden.

  • Platz schaffen für die Erbsen.
    foto: derstandard.at/eder

    Platz schaffen für die Erbsen.

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