Um die Wette gebraut

Kolumne2. April 2014, 08:41
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In der innovativsten Kleinbrauerei der Steiermark eifert die Frau des Brauers diesem nach - gut so!

Unter den Bierbrauern gibt es Ausnahmetalente - und Gerhard Forstner fällt zweifellos in diese Kategorie: Der gelernte Optiker hat sich auf seiner Mikro-Brauanlage in Kalsdorf bei Graz das Brauen selber beigebracht, hat in belgischen Brauereien deren Finessen studiert und sein Wissen in einigen der besten Craft-Biere Österreichs umgesetzt.

Jedem das seine

Er hat eine Frau, die seine Braukunst zwar bewundert, es aber auch einmal probieren wollte. Also wurde Ende letzten Jahres um die Wette gebraut. Er braute "Seines" - ein 6,6 Prozent starkes, im Barrique-Fass gereiftes Roggen-Ale mit Wacholder-Würzung, das seine Kraft hinter einem erfrischend-trockenen Trunk und einem fruchtigen Finish verbirgt. Elfi Forstner nannte ihr Ale "Ihres", langte beim Malz etwas mehr zu, was einen dunkleren Bernsteinton ergab als beim Ale ihres Mannes - "Ihres" duftet nach Lakritze und kommt deutlich vollmundiger daher als "Seines".

Zutaten aus dem Garten

Neben dem Malz verwendete die Brauersfrau Zutaten, die sie in ihrem Garten fand: Der zur Brauerei gehörende Gastgarten wird nur nach Reservierung geöffnet, daher können dort Rosen und wilder Hopfen sprießen. Letzterer gibt gerade genug Bittere, um dem acht Prozent starken Ale entsprechend Rückgrat zu geben und es letzlich nicht zu süß wirken zu lassen. Ein Ausnahmetalent hat eine Ergänzung gefunden. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 28.3.2014)

  • Elfi Forstners "Ihres" ...
    foto: conrad seidl

    Elfi Forstners "Ihres" ...

  • ... und Gerhard Forstners "Seines".
    foto: conrad seidl

    ... und Gerhard Forstners "Seines".

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