Kampf um die Kür: Diesel Black Gold

1. April 2014, 12:33
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Diesel Black Gold heißt die Premiumlinie des italienischen Jeansgiganten Diesel - das Problem ist: Kaum einer weiß das - unter dem neuen Designer Andreas Melbostad soll sich das ändern

Eine Modeschau ohne Publikum? Das macht nicht wirklich Sinn. Als der italienische Modekonzern Diesel Mitte Jänner in Florenz zum Debüt seiner Premium-Männerlinie unter dem neuen Designer lud, hatte man sich offensichtlich im Terminkalender verschaut. Die internationalen Modejournalisten saßen an diesem Abend in London, um die neue Burberry-Kollektion zu begutachten. Was also tun?

Die Lösung: Man charterte einen Flieger und flog die Journalisten noch am selben Abend nach Florenz, wo die Modeschau von Diesel Black Gold etwas zeitversetzt über die Bühne ging. Die Episode zeigt, dass es Diesel mit seiner Premiumlinie wirklich ernst meint. Aber auch, wie schwer es der Modekonzern damit hat.

Weiblicher Anstrich

Seit 2008 gibt es Diesel Black Gold, doch so wirklich in die Gänge gekommen ist die Marke nicht. Weniger als fünf Prozent macht die Linie vom Gesamtumsatz von Diesel aus. Einen eigenen Shop gibt es bis jetzt nicht. Erst war ein Designteam am Ruder, dann übernahm die Griechin Sophia Kokosalaki die Kreativleitung. Eine Modemacherin, die für ihre wunderbar femininen Kleider und die aufwändigen Designs gerühmt wird. Aber die mit dem raueren Ton, der beim Jeanslabel Diesel herrscht - der Konzentration auf Leder und Nieten und Denim - nicht allzu viel anzufangen wusste. Die Marke bekam einen etwas weiblicheren Anstrich, in die Köpfe der Modeinteressierten brannte sie sich aber nicht.

Und das, obwohl sie Saison für Saison im Rahmen der New York Fashion Week präsentiert wird. Hier zeigen Modemarken, die nicht im obersten Segment angesiedelt sind, aber dennoch Designambitionen haben, mit Vorliebe ihre neue Kollektionen. Im Grunde ein guter Platz für Diesel Black Gold: Anders als der große Bruder Diesel zielt das Label auf eine Klientel, die eine Spur älter und auch etwas spendierfreudiger ist. Ein Segment, in dem Marken wie Kenzo, Acne oder auch Helmut Lang beheimatet sind. Sie alle haben ihre Kunden gefunden.

Bei Diesel Black Gold ist man dagegen immer noch auf der Suche nach dem Mann oder der Frau, die nicht mehr täglich in zerrissene Jeans schlüpfen wollen, sich aber immer noch ein bisschen wie Rockstars fühlen. Oder wie es Andreas Melbostad ausdrückt: "Unsere Kunden tragen Leder und Denim in ihrem Herzen." Der Norweger wurde vergangenes Jahr zum Oberkreativen bei Diesel Black Gold bestellt und hat mittlerweile zwei Frauen- und eine Herrenkollektion vorgestellt. Ein zurückhaltender Mann, der ein bisschen wie das Gegenbild zu Diesel-Chef Renzo Rosso wirkt.

Leder mit Mehrwert

Mit Denim hat er in seiner Karriere, die bei Guy Laroche, Yves Saint Laurent und Calvin Klein begann, noch nie gearbeitet. Dafür aber mit Leder. Eine Männerlinie hat er auch noch nie verantwortet - dafür allerdings beim New Yorker It-Label Phi einige umjubelte Frauenkollektionen. Wie er dort Leder eine hypermoderne Anmutung verlieh, erregte viel Aufsehen.

Nach drei Black-Gold-Kollektionen kann man jetzt sagen: Seinen prinzipiellen Designzugang hat Melbostad nicht verändert. Technische Details wie Zipper, Applikationen oder spezielles Finish stechen hervor, der Fit ist konstruierter und schmaler geworden, Leder kommt in ungewöhnlichen Verbindungen und in beinahe jedem Kleidungsstück vor. Bei den Männern gibt es noch Luft nach oben, bei den Frauenkollektionen bewegt sich Melbostad aber auf sicherem Terrain. "Hier gibt es auch viel mehr Möglichkeiten, mit Designs zu spielen", gibt der Designer nach seiner jüngsten Show in New York unumwunden zu, "an die Männer muss ich mich dagegen erst gewöhnen." Hoffentlich gewährt man ihm auch die nötige Zeit dazu. Es könnte sich auszahlen. (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 28.3.2014)

Die Reise nach Florenz erfolgte auf Einladung von Diesel.
www.dieselblackgold.com

  • Es funkelt bei Diesel Black Gold: Understatement ist bei dieser Marke keine Tugend.
    foto: diesel

    Es funkelt bei Diesel Black Gold: Understatement ist bei dieser Marke keine Tugend.

  • Eines der Männerdesigns von Andreas Melbostad...
    foto: diesel

    Eines der Männerdesigns von Andreas Melbostad...

  • ...Er verantwortet die Premiumlinie von Diesel.
    foto: diesel

    ...Er verantwortet die Premiumlinie von Diesel.

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