Bärlauchsuppe

27. März 2014, 17:38
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Feiner Geschmack und stechender Geruch - der saisonale Knoflspinat polarisiert

Pro
Von Gudrun Harrer

Nicht der alljährlich sprießende Bärlauch ist lästig, sondern diejenigen, die glauben, uns mitteilen zu müssen, wie sehr sie ihn H.A.S.S.E.N. Ja eh, aber haben wir euch eigentlich gefragt? Argumente gegen den Knoflspinat sind wahrlich leicht zu finden, auch mein Gegenüber, ein Spezialist für alles Menschliche, wird sich wahrscheinlich nicht enthalten können, das schöne Wiener Wort "fääun" in den Diskurs einzubringen, aus der Pappn natürlich. Aber die Suppe zu preisen bin ich angetreten.

Nun ja, sie ist auf alle Fälle eine gute Erinnerung daran, was man sonst noch alles mit Bärlauch machen könnte: Dim-Sum-Füllungen, ein Risottino zum Lammrücken etc. Suppe ist jedoch so etwas Elementares, das passt schon ganz gut zum Bärlauch, der eines der wenigen Wildgewächse ist, die heute auf den Tellern landen. Den haben schon unsere Altvorderen gebrockt, als sie noch als fröhliche Heidinnen und Heiden durch den Wienerwald tollten. Plus ab und zu ein Maiglöckchenblatt, für ein renitentes Familienmitglied.


Kontra
Von Christoph Winder

Die werte Kollegin Harrer hat ja recht: So wie der Weihnachtspunsch ist der Bärlauch eine wiederkehrende saisonale Plage, die zuverlässig Hasser und Spötter auf den Plan ruft. Die leicht öde Absehbarkeit der Bärlauchbeschimpfung im Frühjahrsfeuilleton kann auf die Nerven gehen. Andererseits: Wer hätte es mehr verdient, nach Strich und Faden gemaßregelt zu werden, denn diese giftgrüne Pflanzenperversion? Welches andere Gewächs hätte je die Impertinenz besessen, wochenlang jedes einzelne Lustwäldchen, ja ganze Landstriche bis zur Unbetretbarkeit zu verstinken?

So viele Suppen können wir gar nicht kochen, als dass nicht ein üppiger Restbestand dieses aufdringlichen Bewuchses weiter die Gegend verpestete. Eine flächendeckende Bärlauchentsorgung ist weder mit Bärlauchsuppen, Bärlauchpesto oder Bärlauchgrütze möglich. Es bleibt uns nur die Hoffnung, dass die fäulenden Farne spätestens im Mai wieder abgestorben sein werden. Und das Vertrauen in das alte chinesische Sprichwort: Ohne Lauch geht's auch. (Rondo, DER STANDARD, 28.3.2014)

  • Artikelbild
    foto: lukas friesenbichler
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