Spekulationstanz und Schuldenperformance

25. März 2014, 18:20
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Im Tanzquartier Wien geht es um die Kunst des Zockens: Das Diskursfestival "Scores" widmet sich den "Verlockungen der Spekulation"

Wien - Dieser Zufall ist aussagekräftig: Die März-Ausgabe der renommierten Zeitschrift Texte zur Kunst glänzt mit einem Themenschwerpunkt zum Verhältnis zwischen Kunst und Spekulation. Und das Tanzquartier Wien präsentiert ab heute, Mittwoch, in der achten Ausgabe seiner Reihe Scores einen viertägigen "Parcours zu den Choreografien des Spekulativen".

In der Spekulation, so die Tanzquartier-These, sind Ziel und Fakten zwar bloße Illusion, aber das "spielerische Nichtwissen" dabei kann auch eine "poetische Produktion von Perspektiven" provozieren und so die Wirklichkeit bereichern. Die negative Form dieser Bereicherung ist ja aus dem berüchtigten Kasino der Finanzmärkte bekannt.

Zur Eröffnung von Scores (Motto: "Lures of Speculation") bietet eine Forschungsgruppe des slowenischen Magazins Maska die Lecture-Performance Ein spekulatives Glossar an. Dabei geht es um neue Strategien gegen die Beschleunigung und ein anderes Sprechen über Zeit. Der Italiener Marino Formenti wird dazu passend vom ersten bis zum letzten Scores-Tag eine musikalische Dauerperformance mit Kompositionen von Morton Feldman, Galina Ustwolskaja, Nirvana u. a. durchziehen.

Am Donnerstag spricht der Gemeinwohlspezialist Christian Felber, danach gibt es eine Schuldenperformance: Dabei häuft die kroatische Künstlerin Saska Rakef ihre Miesen auf und stellt dar, welches System dahinter steckt. Mit Performances weiters vertreten sind Begüm Erciyas (Eine Spekulation) und die Zagreber Gruppe BadCo (A Pound of Hysteria. Acceleration ...). Am Freitag können außerdem eine Lecture-Performance über den "Unwahrscheinlichkeitsdrive" (Sibylle Peters) und die tiefgründige Analyse Über Esel spekulieren (Maximilian Haas und David Weber-Krebs) genossen werden.

Samstags wird bereits ab Mittag über das Ungreifbare, über Geschichte, Materialität und Unwahrscheinlichkeit spekuliert (von u. a. Vinciane Despret, Janez Jansa, Tomislav Medak und Bojana Cvejic). (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 26.3.2014)

26.-29. 3.

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Tanzquartier Wien

  • Unter anderem wird im Rahmen von "Scores" auch über Esel spekuliert.
    foto: tanzquartier / haas & weber-krebs

    Unter anderem wird im Rahmen von "Scores" auch über Esel spekuliert.

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