Spannungen mit Russland: Nato reloaded

Kommentar25. März 2014, 17:51
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Aufgrund der Annexion der Krim redet keiner mehr von einer Sinnkrise bei der transatlantischen Allianz

Ein Besuch im Hauptquartier der Nato gehört für einen US-Präsidenten zum Standardprogramm, wenn er in Brüssel haltmacht. So auch für Barack Obama, der Europa bisher eher kühl behandelte. Wenig überraschend.

Die transatlantische Allianz mit den Europäern ist für Washington im Notfall mindestens so wichtig wie die Wirtschaftsbeziehungen zu den EU-Partnern. Von denen sind auch nur sehr wenige neutral oder bündnisfrei. Und das gilt durchaus auch umgekehrt.

Ohne die militärischen Fähigkeiten der USA stünden die Europäer sicherheitspolitisch eher nackt da, so gerne das die einen oder anderen verdrängen. Man braucht einander. Das war in zwei Jahrzehnten Entspannung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall der Sowjetunion, mit der Integration (Ost-)Europas lange kein wirkliches Thema mehr. Kalter Krieg, territoriale Bedrohung, Strategie der Abschreckung, für die die Nato stand - das waren seit 1989 bzw. 1991 fast absurde Begriffe aus einer finsteren Zeit.

Die Nato intervenierte regional (im Kosovo) oder mit UN-Beschluss in Afghanistan nach 9/11. Aber dass Kampfhandlungen mit Russland drohten, das erschien fast unmöglich. Die Krise in der Ukraine und die Annexion der Krim haben die Lage schlagartig verändert. Obamas Besuch markiert eine Nato reloaded. Plötzlich redet man nicht mehr von der Sinnkrise, sondern von Artikel 5, dem Beistandspakt, einem Militäreinsatz in Osteuropa. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 26.3.2014)

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