Auf der Sammelbaustelle

25. März 2014, 17:18
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Stadler und Essl verstrickten sich in ein Gespräch, in dem die Interviewerin durch ihren Widerpart verblüfft schien

Manchmal verbündet sich das Wetter mit den Machern von Kultursendungen. Dann ziehen „dunkle Wolken" über Klosterneuburg auf. Frühlingsstürme rüttelten am würfeligen Essl-Museum. Der in Finanznot geratene Baumax-Gründer wurde ins Bild gerückt. Man sah ihn „zur Tat schreiten". Der Eindruck, den der ORF erweckte, konnte irritieren. Es ist schließlich der Staat, von dem Karlheinz Essl fordert, er möge zu seinen, Essls, Gunsten tätig werden und kaufen.

Das Interview, das Clarissa Stadler mit dem Sammler anschließend in der Sendung "Kulturmontag" führte, geleitete zurück in die Vorzeit des Krisengeschehens. Vor sechs Jahren sei Baumax in Zentral- und Südosteuropa in Schwierigkeiten geraten. Essl informierte die Zuseher eingehend über sein Krisenmanagement. Von diesem lässt sich wenigstens das eine mit Bestimmtheit sagen: Es hat nicht zum Ziel geführt.

Stadler und Essl verstrickten sich in ein Gespräch, in dem die Interviewerin durch ihren Widerpart verblüfft schien. Seine Sammlung von rund 4000 Werken bilde im Wesentlichen „die letzten sechzig Jahre" heimischen Kunstschaffens ab. Der ohne Zweifel sublime Geschmack Essls soll ersetzen helfen, was der Staat - aus Schwäche oder aus Befangenheit - nicht vermocht hat.

Ein ungläubiges Lächeln huschte über Stadlers Antlitz. Mit sanfter Insistenz warf sie den Gesichtspunkt der Subjektivität auf. Der Staat ("die Regierung") würde kaufen, was das Ehepaar Essl für sammelnswert gehalten hat. Der Museumsgründer führte unbeirrt Leistungen für sich ins Treffen: Herzblut, Emotion, privaten Verzicht. Man war spürbar unterschiedlicher Meinung. So etwas verstört in Österreich. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 26.3.2014)

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