Mehr geförderte Wohnungen, Lücke bleibt

25. März 2014, 16:56
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Die Gemeinnützigen stellten im Vorjahr bundesweit 15.200 Wohnungen fertig, heuer dürften es sogar 17.100 werden. Dennoch fehlen weiterhin tausende leistbare Wohnungen, vor allem in Wien

Die 190 gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) Österreichs haben im Vorjahr 15.200 Wohnungen fertiggestellt. Damit wurde der Wert von 2012 um 11,5 Prozent oder 1.570 Wohnungen übertroffen, sagte GBV-Obmann Karl Wurm am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Wien. Man habe damit nach einem leichten Einbruch auf nur 13.600 Wohneinheiten im Jahr 2012 wieder "das Niveau des langjährigen Durchschnitts von 15.000 Wohnungen erreicht", so Wurm.

Heuer 17.100 Wohnungen erwartet

Für heuer kündige sich gar ein "Leistungshoch" mit rund 17.100 GBV-Wohnungen an – "sofern die Realisierungszeitpläne halten". Die Zahl der Wohnungen, die zu Jahresbeginn in Bau waren, ist mit 29.200 jedenfalls weitaus höher als vor einem Jahr (23.200). 2015 dürfte es laut Vorausschau der Gemeinnützigen wieder auf 15.000 bergab gehen.

In sechs Bundesländern dürften die Gemeinnützigen heuer mehr Wohneinheiten fertigstellen als im Vorjahr, die Ausnahmen heißen Vorarlberg, Tirol und Kärnten. Die meisten neuen geförderten Wohnungen werden heuer in Wien erwartet, nämlich insgesamt 5.269 (nach 4.597 in 2012), gefolgt von Niederösterreich mit 3.347 (2.783), Oberösterreich (2.177/1.990) und der Steiermark (2.140/1.444).

Detail am Rande: Die "Wiener Wohnbauinitiative", deren erste 1.600 Wohnungen schon in Bau sind, wird übrigens nicht in die Zahl der geförderten Wohneinheiten eingerechnet.

Knapp 24.000 Wohneinheiten förderzugesichert

Weil in manchem Bundesland auch gewerbliche Bauträger gefördert bauen können, wurden im Vorjahr insgesamt 17.800 Geschoßwohnungen gefördert errichtet, mit den rund 5.900 Eigenheimen kommt man auf Förderzusicherungen für 23.780 Wohneinheiten - was einem leichten Anstieg von drei Prozent gegenüber 2012 entspricht.

Die 17.800 geförderten Geschoßwohnungen sind für Wurm aber immer noch "unter dem bedarfsdeckenden Plansoll", weil nur 15.300 davon geförderte Mietwohnungen seien (der Rest sind Eigentumswohnungen). Seinen Angaben zufolge fehlen akut 3.500 geförderte Mietwohnungen in Österreich.

Dass das 276 Millionen Euro schwere "Konjunkturpaket Wohnen" Abhilfe schaffen wird können, glaubt Wurm nicht. Wie berichtet, denkt das Finanzministerium einerseits bereits laut über eine Streichung der Mittel nach; andererseits wird die vom Bund eingebaute Hürde für die Länder - sie müssten im Schnitt über die Jahre 2013 und 2014 rund 30.000 Neubau-Wohneinheiten fördern, um das Geld schließlich abholen zu können - zu hoch sein, sagt Wurm (siehe Artikel).

Höheres Neubauvolumen

Mit dem Anstieg der Neubauleistung kam es 2013 auch wieder zu einer Ausweitung des Neubauvolumens, berichtete Wurm. Mit 2,9 Milliarden Euro erhöhte es sich um 19 Prozent bzw. 460 Millionen Euro. Heuer dürfte es allerdings wieder leicht auf 2,8 Milliarden Euro bergab gehen.

Die Ausgaben an Wohnbauförderung für den Neubau gingen zwischen 2009 und 2012 um 13 Prozent auf nur noch 1,5 Milliarden Euro zurück, während die Förderausgaben für die Sanierung im selben Zeitraum um vier Prozent auf 700 Millionen Euro zulegten. Dieser Verlagerung der Fördermittel dürfte aber nun wieder eine Trendumkehr folgen, so Wurm.

Finanzierungssituation bleibt schwierig

Bei der Kreditvergabe der Banken an gemeinnützige Bauträger lässt sich laut dem GBV-Obmann "keine Entspannung" erkennen, im Gegenteil: Die Kreditvergabepolitik habe sich verschärft, weshalb die Gemeinnützigen mit merkbar höheren Liquiditätsaufschlägen sowie kürzeren Laufzeiten der Darlehenskonditionen zu kämpfen hätten. Erfreulicherweise habe sich allerdings der Verkauf der Wohnbauanleihen nach mehreren Jahren des starken Rückgangs "deutlich erholt", im Vorjahr wurden Anleihen im Volumen von rund 1,2 Milliarden Euro emittiert. 

Einmal mehr forderte Wurm in diesem Zusammenhang auch, dass die Zweckbindung der Wohnbaufördermittel wieder eingeführt wird - auch für Darlehensrückflüsse. Außerdem kann er der Einrichtung einer Bundeswohnbauagentur einiges abgewinnen, außerdem sollte das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) reformiert werden, wobei vorrangig an den steigenden eigenmittelfinanzierten Instandhaltungsausgaben - etwa für thermische Sanierungen - angesetzt werden sollte.

Kasernen-Standorte als Bauland sichern

Außerdem wünschen sich die Gemeinnützigen, dass die ins Regierungsprogramm eingeflossenen Pläne, aufgelassene Kasernen-Standorte vorrangig für den geförderten Wohnbau zu reservieren, baldigst umgesetzt werden. Derzeit muss bei der Veräußerung nicht mehr benötigter Standorte nach dem Meistbieter-Prinzip vorgegangen werden, weshalb diese Liegenschaften für geförderten Wohnbau (bei dem es Obergrenzen für die Grundstückskosten gibt) nicht in Frage kommen.

Die Gefahr, dass das Meistbieter-Prinzip erst dann fallen könnte, wenn die besten Kasernenstandorte schon verkauft sind, sieht Wurm nicht. Es gäbe wohl auch später noch den einen oder anderen Standort zu haben, das Bundesheer müsse bloß zuerst klären, welche davon auch künftig noch gebraucht werden. (Martin Putschögl, derStandard.at, 25.3.2014)

  • Die "Wiener Wohnbauinitiative", deren erste 1.600 Wohnungen schon in Bau sind (Bild: Seestadt Aspern), wird nicht zum geförderten Wohnbau gerechnet.
    foto: standard/cremer

    Die "Wiener Wohnbauinitiative", deren erste 1.600 Wohnungen schon in Bau sind (Bild: Seestadt Aspern), wird nicht zum geförderten Wohnbau gerechnet.

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