Wiener Polizisten drohten Kaffeehausgästen mit Elektroschocker

25. März 2014, 16:10
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Gäste reagieren zunächst nicht auf Aufforderung zur Mitwirkung - Polizei verwendete Taser "in entschlossener Sicherungshaltung"

Wiener Polizisten sollen eine Elektroschockwaffe gegen sich völlig ruhig verhaltende Gäste eines Cafés gerichtet haben, berichtet die Wiener Wochenzeitung "Falter" in ihrer aktuellen Ausgabe.

Am 3. Dezember soll eine zivile Suchtgiftstreife nach einem Tatverdächtigen im Café Sperlhof in der Leopoldstadt gesucht haben. Die Beamten hätten das Kaffeehaus betreten und die Gäste aufgefordert, bei der Amtshandlung mitzuwirken. Da die Anwesenden aber zunächst keinerlei Reaktion zeigten, wiederholten die Polizisten ihre Aufforderung zur Mitwirkung, untersagten schließlich den Gästen die Benutzung von Handys und verwendeten einen Taser "in entschlossener Sicherungshaltung". Einer der Gäste des Cafés, ein Wissenschaftler der Uni Wien, gab in einer Anzeige an, dass die Beamten das Lokal regelrecht "überfallen" hätten.

Polizei bestätigt Sachverhalt

Die Wiener Polizei untersuchte die Vorwürfe und bestätigte dem "Falter" im Wesentlichen den beanstandeten Sachverhalt. Die Beamten seien "zur Eigensicherung sowie zum zweckorientierten Ablauf der Amtshandlung", so vorgegangen. In einem Statement gegenüber dem Wissenschaftler schreibt die Polizei: "Sollten Sie das Verhalten der Beamten als Provokation oder als Überschreitung der Kompetenzen dieser empfunden haben, bedauern wir den entstandenen Eindruck." Der Fall werde nun intern evaluiert.

Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, richtet sich in einer Aussendung an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Er fordert Aufklärung darüber, auf welcher gesetzlichen Basis der Taser verwendet worden ist: "Bis jetzt hat es geheißen, dass Taser nur im Strafvollzug eingesetzt werden." Pilz wolle am Mittwoch eine parlamentarische Anfrage einbringen.

Aus Polizeikreisen erfuhr die APA dazu, dass der Taser nicht eingesetzt, sondern nur gezogen worden sei. Der Grüne Abgeordnete liege auch mit der Aussage falsch, dass der Taser nur in der Strafverfolgung eingesetzt werde. Seit 2012 seien Spezialeinheiten wie das Eko Cobra, die Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) und die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) zum Tragen des Tasers berechtigt. (cmi, APA, derStandard.at, 25.3.2014)

  • Polizei bedroht Kaffeehausgäste mit einem Taser.
    foto: apa/alexander tuma

    Polizei bedroht Kaffeehausgäste mit einem Taser.

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